1. Online Männerkongress: Wann ist der Mann ein Mann?

Christian Peherstorfer traut sich in eine verminte Tabuzone: Er diskutiert mit Fachleuten, Prominenten, Sportlern, Psychologen und Coaches zum Thema Männlichkeit. Was macht einen Mann aus – und was braucht es daher, um heute ein Mann zu sein?

Credit: Sissy Steinbrecher

Ein wenig überrascht es Christian Peherstorfer dann doch. Dass im Jahr 2016 Interviews nicht zustande kommen, weil Medien negative Konsequenzen durch die Thematisierung des Mannes befürchten, war ihm neu. Andererseits ist es eine Bestätigung, am richtigen Weg zu sein. Mit seinem 1. Online Männerkongress rührt der angehende Psychotherapeut von 1. – 10. Oktober ein Tabuthema auf, das bis dato etwa der Organisation Movember vorbehalten war. Sie macht auf spielerische Art und Weise darauf aufmerksam, dass Männer sich viel zu wenig um ihre Gesundheit kümmern. Der Männerkongress diskutiert eine ebenfalls eine nur selten diskutierte Frage: Was macht einen Mann heute aus – und was braucht es daher, um ein Mann zu sein? 

Altes vs. neues Männerbild

Christian Peherstorfer, Credit: C. Peherstorfer

Organisator Christian Peherstorfer, Credit: C. P.

Mit dem alten Männerbild aufgewachsen und sozialisiert, mit einer komplett anderen Sichtweise in der heutigen Zeit konfrontiert: Eine Herausforderung, der sich wohl viele Männer stellen müssen. Wir sind emanzipiert, können heute so frei wie noch nie zuvor ein Leben führen, so wie wir es gerne führen. Rollenbilder erodieren – und mit ihnen das Selbst- Bewusstsein: Welche Rolle nehmen Männer in dieser „neuen“ Welt ein, und was bedeutet es heute, ein „Mann“ zu sein?

Ein System kann sich nur in seiner Gesamtheit verändern, wenn die Probleme und Herausforderungen diskutiert und verbalisiert werden. Eine so massive Veränderung muss sich auch in der gesamten Kultur einer Gesellschaft vollziehen, sonst wird diese Veränderung schlichtweg nicht gelingen.

Über die Bedürfnisse und brennenden Fragen der Männer wird aber nur selten diskutiert. Organisator Christian Peherstorfer will das verändern: „Auch ich selbst habe ein altes und ein neues Männerbild in mir. Wie viele andere Männer frage ich mich, was einen Mann heute ausmacht und woran wir uns orientieren können. Aus diesem Grund habe ich Experten aus diesen beiden Welten zusammengeholt, die über zehn Tage ihre Sichtweise dazu beitragen.“

Neue Sichtweisen eröffnen

Die Liste der Speaker ist ein Potpourri aus Sportlern, Psychotherapeuten, ehemaligen Rotlicht-Größen, Kabarettisten, Coaches und Mentaltrainern. Bernhard Ludwig spricht über die modernen Herausforderungen des Mannes, Dr. Prof. Gerald Hüter erklärt das männliche Gehirn. Trainer Sebastian Körber spricht über die Überwindung von Ängsten, Puls4-Moderator Andreas Seidl thematisiert, wie man eine gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe führen kann.

Männer aus den unterschiedlichsten Welten und differierenden Zugängen zu Männlichkeit öffnen sich, reden über Dinge, über die sie in der Öffentlichkeit normalerweise nicht reden. Über Beziehungen und Liebe, Aggression, Respekt und Ehre. Über Sensibilität, die von Männern oft nicht erwünscht ist. „Von Männern wird erwartet, dass sie mit ihren Problemen zurecht kommen. Ein weinender Mann wird als Schlappschwanz, als schwach angesehen. Weinen ist doch nichts anderes als ein völlig menschliches Hilfesuchen. Das alte Rollenbild ist aber noch tief in der Gesellschaft verankert“, erklärt Peherstorfer seine Initiative.

Für den ehemaligen Kickbox- und Box-Leistungssportler Peherstorfer ist das alte Rollenbild aus seiner Historie heraus durchaus nachvollziehbar. Auch für ihn waren Männlichkeit, ein großes Ego und Anerkennung wichtige Teile seines Lebens. „Ich bin aufgewachsen in dem Glauben, wenn ich weine, bekomme ich noch mehr Probleme.“ Bis er vor drei Jahren sein Leben auf neue Beine stellte: „Ich habe alles in Frage gestellt, was ich bis zu diesem Zeitpunkt für richtig gehalten habe.“

Peherstorfer möchte Männer (und Frauen) für neue Sichtweisen öffnen: „Menschen können heute das Leben leben, das wir gerne führen. Es gibt eine große Bandbreite an Männern und Verhaltensweisen. Und jeder muss für sich entwickeln, was er für richtig hält.“ Genau diese Bandbreite ist bei seinem Kongress vertreten, und diskutiert aus der eigenen Sicht heraus die Herausforderungen, Ängste und Sehnsüchte, Probleme und Lösungen.

 

Hier geht’s entlang: www.maennerkongress.at

Vom 1. bis 10. Oktober – die Teilnahme am Männerkongress ist kostenfrei. Du willst teilnehmen? Das geht so: Mit einer Emailadresse anmelden, dann erhältst du täglich eine Email mit dem Online-Link und Tagesprogramm. Pro Tag werden zwei Diskussionen geführt, das Programm findest du hier

 

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