Karin Struckmann/Cupido Books: „Anonymität gibt erotischer Literatur den Kick“

Karin Struckmann, Geschäftsführung Cupido Books / Credit: Cupido Books

Vor 20, 30 Jahren hat’s das nicht gegeben: Erotische Literatur, frei Haus geliefert. E-Books haben auf Grund ihrer Diskretion und Anonymität der erotischen Literatur einen wesentlichen „Kick“ gegeben. Heute gibt es eigene Verlage, die sich auf erotische Literatur spezialisieren – wie beispielsweise Cupido Books. Vor genau einem Jahr, im März 2014, ging das Unternehmen mit einem Startprogramm von sechs Büchern in die Shops. Gründerin Karin Struckmann im Gespräch über ihren Zugang zu Erotik und über ein Genre, das es in der Vergangenheit nicht einfach hatte und auch heute noch mit Hürden zu kämpfen hat.

„Das wird bei uns nicht nachgefragt“

Gibt es Menschen, die noch nie zur erotischen Literatur gegriffen haben? Im Zeitalter der E-Books gehört jedenfalls der verschämte Griff ins Buchregal der Vergangenheit an: „E-Books sind genial. Sie ermöglichen es uns, Bücher nur ganz für uns zu lesen“, erklärt Karin Struckmann. Sie sorgen für Anonymität zumindest gegenüber unseren Nächsten – beim Stöbern in den virtuellen Regalen, beim Kauf und beim Lesen. Noch vor 20 Jahren war es schwierig, erotische Literatur zu organisieren. Es bedeutete, den Buchhändler des Vertrauens verschämt um eine Bestellung zu bitten, oder einen Sexshop zu frequentieren, was für Frauen mitunter eine unüberwindbare Hürde gewesen sein muss.

„Große Buchhandlungen widmen der erotischen Literatur heute ein eigenes Regal“, erzählt Karin Struckmann, in den kleinen Buchläden im Viertel findet dieses Genre aber immer noch wenig Freunde. Denn es fehlt an Anonymität, im Kretzel kennt man dann womöglich die eigenen Vorlieben. Diesen Kommentar hört die Gründerin von Cupido Books sehr oft: „Das wird bei uns nicht nachgefragt.“

Eine Nische in der Nische

Ordnung muss sein: In der Apple-Version sollte am Cover zumindest ein kleines Stoff-Fetzerl anwesend sein. Herausforderung meisterhaft gelöst - mit Photoshop...

Ordnung muss sein: In der Apple-Version sollte am Cover zumindest ein kleines Stoff-Fetzerl anwesend sein: „No nudity in cover art.“ Herausforderung meisterhaft gelöst – mit Photoshop: „Ich bin nicht sicher, ob sie sich das so vorgestellt haben wie wir es umsetzen.“

Cupido Books bearbeitet eine Nische in der Nische: Seriöse und gut geschriebene Werke, für die Buchhandlung zu erotisch, für den Pornoladen zu wenig erotisch. Ein wesentliches Kriterium der Bücher, die in diesem kleinen Verlag erscheinen, ist die Realitätsnähe. „Keine plakative Erotik, sondern ins Leben hereingeholt. Das ist mir wichtig“, geht Struckmann ins Detail. Sie erreicht mit den Büchern ihre LeserInnen dort, wo sie stehen: Im Leben. Die Stories haben kein besonderes Umfeld, sondern sind dem realen Leben entnommen. „Erotik ist Teil des Lebens, und darf das auch sein“, erklärt sie.

Zuerst hat sie selbst Geschichten und Cover entwickelt, dann kamen Manuskripte von externen Autor/innen hinzu. Mittlerweile wird sie von freien Mitarbeiter/innen in Grafik und Korrektorat unterstützt, hat über 30 Autor/innen unter Vertrag, fokussiert neben Lektoratsarbeit auf die Entwicklung des Marktplatzes, stellt die Plattform zur Verfügung und kümmert sich um das Marketing. Der Sprung vom Angestellten-Dasein hin zur Unternehmerin war ein Sprung in die Unsicherheit, aber auch in die große Freiheit: “Meine Arbeit hat Sinn.”

Langsame Weiterentwicklung

Das literarische Spektrum ist seit dem Start des kleinen Verlags breiter geworden: Es gibt eine romantische Schiene, erotische Episodenromane, Literatur mit sadomasochistischem Fokus. Cupido Books soll die Vielfalt und Bandbreite der Erotik kommunizieren.

Die Arbeit mit erotischer Literatur hat Karin Struckmann’s Horizont auf eine sehr vielfältige Weise erweitert. Es führte subtil zu einer Erweiterung des Erlebens von Sexualität, setzte die eigene Phantasie in Gang. “In unserer/meiner Generation war Sex kein offizielles Thema. Unsere Kinder wiederum wissen alles, haben aber noch nichts erlebt.” Daraus resultiert ihrer Meinung nach ein Leistungsdruck, zuviel Input verhindert, dass wir unbefangen mit der Thematik umgehen können.

Mit den von ihr verlegten Büchern ist es ihr daher wichtig, Menschen eine Struktur zu geben, woran sie sich orientieren können. „Bei Shades of Grey, woran soll ich mich da in der Story orientieren? Ich finde mich dort nicht wieder.“ Eines sollen ihre Bücher daher immer transportieren: „Dass Erotik möglich ist, ohne sich großartig zu verändern.“

Hier geht’s entlang: 

Cupido Books – dreams on demand

 

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