Deutsche Studie liefert erstmals Daten zu männlicher Sexarbeit

**Sexarbeit wird häufig als rein weibliches Terrain kommuniziert, Daten zu männlichen Sexarbeitern waren kaum vorhanden. Die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gab nun 2013 eine Studie in Auftrag, um die Lebenssituation männlicher Sexarbeiter zu erfassen und Präventionsmaßnahmen besser planen zu können. Die Studienergebnisse machen die Versäumnisse der Vergangenheit transparent und zeigen einen großen Handlungsbedarf.

Credit: "Die Jungs vom Bahnhof Zoo", ein Film von Rosa von Praunheim

Die Gruppe der männlichen Sexarbeiter wird seitens der Studie als sehr heterogen beschrieben – dies deckt sich mit der Einschätzung anderer Studien zu Sexarbeit. So gibt es mehrere Subgruppen, die größten darunter sind Stricher und Callboys. Die Gründe, warum diese Männer Sexarbeit anbieten, ihre Herkunft und ihr Risikoverhalten variieren erheblich, die Lebenslage der Männer ist der Situationsanalyse zufolge aber oftmals prekär: Männliche Sexarbeiter sind unter 30 Jahre, meist sogar unter 25 Jahre alt. Sie sind mehrheitlich arm, verschuldet und wohnungslos, haben keine Ausbildung und keine Arbeit bzw. Arbeitserlaubnis. Männliche Sexarbeiter sind vielfach krank (zB Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose), der Suchtmittelkonsum scheint massiv zu sein. Alarmierend ist in diesem Zusammenhang, dass diese Männer in der Regel keine Krankenversicherung haben.

Während auf der einen Seite kaum Bereitschaft seitens der Sexarbeiter zu bestehen scheint, an Präventions- und Behandlungsangeboten teilzunehmen, ist auf der anderen Seite auch das Angebot als eher schwach einzuschätzen. Die wenigen bestehenden Initiativen sind nur unzureichend finanziert, die jetzt verlautbarten Zahlen belegen einen großen Handlungsbedarf. Neben der weiteren Verbesserung der Datenlage fordert die Studiengruppe neben der Stärkung der vorhandenen Versorgung wie Sozialarbeit umfassende, niedrigschwellige Hilfen mit mehrsprachigem Personal, die Weiterentwicklung des Informationsmaterials sowie Modellprojekte, um besseren Zugang zu männlichen Sexarbeitern zu bekommen.

Artikel auf queer.de

Kurzzusammenfassung der Studie: http://www.fogs-gmbh.de

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