Verhütung: Spannende Geschichte der Tabus

**Das Wiener Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch ist weltweit einzigartig: Es erzählt die spannende Geschichte der Entwicklung von Verhütungsmitteln und des Rechts auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Politik, Justiz und Gesellschaft, Medizin und Biologie - die unterschiedlichsten Bereiche sind Teil der Geschichte. Sehen, verstehen und manche Hilfsmittel auch angreifen können Besucher des prämierten Museums, das im Herzen der Bundeshauptstadt einen wahren Schatz hütet.

Blausiegel/Credit: muvs.org

Geschichte mit Tabus

Dr Christian Fiala / muvs.org

Dr Christian Fiala / muvs.org

Rund 2.000 Objekte und etwa 1.100 zum Teil vergriffene Bücher stellen die Zusammenhänge zwischen Sexualität und Fruchtbarkeit dar – und wie über viele Jahrhunderte versucht wurde, diese natürliche Verbindung aufzubrechen.

Etwa 15 Schwangerschaften sind im Leben einer Frau „natürlich“, woraus sich etwa 10 Geburten ergeben – abhängig von Gesundheitszustand, Wohn- und Hygieneverhältnissen, Zugang zu sauberem Trinkwasser und energiereicher Nahrung. Früher haben nur etwa sieben Kinder überlebt.

Damals wie heute ist den meisten Menschen diese Kinderzahl jedoch aus wirtschaftlichen, sozialen oder anderen Gründen zu hoch. Das Museum erzählt von den Bemühungen, das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper auszubauen oder durchzusetzen – sei es juristisch, moralisch oder auch medizinisch. Denn auch der Staat und die Kirche haben ein Wort mitzureden: Die wenigen Methoden der Verhütung sowie der Schwangerschaftsabbruch sind bis heute in vielen Ländern der Welt verboten.

Bewusstsein schaffen

muvs.org

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Ziel der Ausstellung ist es nicht nur, die Historie aufzuarbeiten, sondern auch Aufklärungsarbeit zu leisten und Bewusstsein zu schaffen: Wir Frauen sind im Schnitt ca. 35 Jahre fruchtbar – und entweder wir kontrollieren die Fruchtbarkeit, oder sie kontrolliert uns. In Zeiten der Pille sinkt das Bewusstsein dafür.

Das Thema ist in Österreich auch heute noch brandheiß. Das zeigt der Umgang mit der Abtreibung: Es ist ein rechtspolitisches Signal, wenn die Abtreibung lediglich unter gewissen Voraussetzungen straffrei bleibt.

Das Team des Museums ging der Geschichte akribisch nach, sammelte über Jahre hinweg Objekte, inventarisierte, katalogisierte und dokumentierte diesen tabuisierten Bereich auf hohem Niveau: Christian Fiala brachte als Gynäkologe seine Expertise auf dem Gebiet der Familienplanung im In- und Ausland sowie als Forscher und Vortragender ein; Susanne Krejsa MacManus als Wissenschaftsjournalistin und Archivarin, Barbara Sommerer als Museumsgestalterin mit dem Anspruch einer künstlerischen Umsetzung der Museumsarchitektur. Sandra Abrams zeichnetet für zahlreiche Recherchen verantwortlich.

muvs.org

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Der Einsatz des Teams hat sich gelohnt: Das Museum wurde für seinen Beitrag für die Erhaltung von Kulturgütern/-techniken von der European Heritage Association in den ‚Excellence Club – The Best in Heritage‘ aufgenommen, seit 2010 ist es Träger des renommierten Kenneth Hudson Awards.

Fazit: Liebevoll und mit einem hohen Anspruch zusammengetragene Ausstellung, die nachdenklich macht und Bewusstsein schafft. Sehr empfehlenswert!

 

Mehr Infos:

Verhütungsmuseum
Mariahilfer Gürtel 37/1. Stock
1150 Wien
Homepage des Museums: http://muvs.org/
Öffnungszeiten: Mi bis So 14:00 – 18:00 Uhr

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