Die sinnliche Erotik des Bauchtanzes

Credit: Tanzstudio Mänada

Bauchtanz ist pure Erotik, der seinen Ursprung in rituellen Tänzen und Fruchtbarkeitstänzen findet. Der Tanzstil ist aber auch eine gute Gesundheitsvorsorge, die Spaß macht. Was dieser Tanz zur (sexuellen) Gesundheit beitragen kann, dazu interviewten wir Ursula Schopf aka Sula, Gründerin des Wiener Tanzstudios Mänada.

Sich selbst bewusst werden

Ursula Schopf aka Sula / Credit_ Günther Pedrotti

Ursula Schopf aka Sula / Credit: Günther Pedrotti

Gesellschaftstänze haben meist an sich, wenig Bewegung in die Körpermitte zu bringen – diese ist viel eher fixiert. Der Bauchtanz unterscheidet sich von den europäischen Bewegungs- und Tanzformen und bringt ein wenig Schwung nicht nur in die Körpermitte, bezieht auch sehr tabuisierte Körperteile mit ein. Bauchtänzer/innen lassen die Bewegungen fließen, ganz ohne Kraft. Der gesamte Körper wird miteinbezogen, der Tanz sorgt damit für ein völlig neues Körpergefühl. „Man lernt Muskeln kennen, die man vorher noch nie bewegt hat“, lacht Sula im Interview. Sie unterrichtet den orientalischen Bauchtanz seit 22 Jahren, ihr Studio Mänada ist seit 16 Jahren fester Bestandteil der Wiener Szene.

Der Begriff Bauchtanz ist übrigens eine europäische Erfindung, denn wir hatten damals, als im Zuge der Weltausstellung 1889 in Paris erstmals in Europa eine orientalische Tänzerin auftrat, noch keinen Namen für diesen sinnlichen orientalischen Tanz. Dieser war Ende des 19. Jahrhunderts ein Skandal, der die Behörden überlegen ließ, das Etablissement zu schließen (was zu noch mehr Andrang führte).

Seinen Ursprung hat der Tanzstil unter anderem in Fruchtbarkeits- und Geburtstänzen. Die sinnlichen Körperbewegungen sind nicht nur anregend und animierend, sie beherbergen uraltes Frauenwissen rund um den Körper. Die Basis des Tanzes ist ein starker Beckenboden, davon geht die weibliche Energie aus. „Ganz typisch für Bauchtänzer/innen ist die geerdete Grundhaltung“, erklärt Sula. Und von dieser Basis arbeiten sich Tänzer/innen nach oben.

Körperwahrnehmung verbessern

Der orientalische Bauchtanz unterscheidet sich aber nicht nur in den Bewegungsabläufen von anderen Tanzstilen: „Der Tanz verändert mich nicht. So wie ich bin, kann ich ihn ausüben.“ Denn der körperliche Ausdruck ist nicht verbunden mit einem speziellen Körpertraining oder dem Drang, einem bestimmten Körperideal zu entsprechen. Auch liegt dem Tanz kein Wettbewerb zu Grunde. Die Sinnlichkeit entsteht durch die Freude am Tanz und am eigenen Körper, erklärt die Expertin: „Durch den Bauchtanz verbessern Frauen ihre Körperwahrnehmung und ihr Selbstwertgefühl. Ich kenne viele Frauen, die durch den Tanz in ihrem Körper erst so richtig angekommen sind. Endlich hat der Bauch Platz, um zu tanzen.“ Frauen entwickeln durch das Training ein Gespür für sich und ihren Körper, können ihn dadurch auch besser steuern.

Sula ist ausgebildete Psychologin und Tanz-Therapeutin – ein Umstand, der sie beim Unterricht ihrer Kund/innen unterstützt: „Tanz macht etwas mit uns, vieles kommt in Bewegung. Es ist ein heilsamer Prozess“, geht sie ins Detail, betont aber gleichzeitig, dass Tanzunterricht keine Therapie darstellt: „Durch die Bewegung werden Blockaden aufgelöst, die bearbeitet werden können.“ Ihre Ausbildung, ihre tiefenpsychologischen Kenntnisse fließen jedoch ein, um Menschen im Notfall auch auffangen zu können.

Beckenbodentraining als Basis

Credit: Günther Pedrotti

Credit: Günther Pedrotti

Bauchtanz ist nicht nur ein sinnlicher und erotischer Tanz, er ist ein ganzheitliches Aphrodisiakum: Durch das Training der Beckenbodenmuskulatur verhilft Bauchtanz zu ungeahnten Orgasmen. Die Muskulatur wird gut durchblutet und stützt Organe wie die Blase, den Darm und die Gebärmutter. Die Kraft und Spannung in dieser Muskelpartie ist sehr wichtig für ein befriedigendes Sexualleben. Das Training beugt aber auch der Harninkontinenz vor, einer für Europa typischen Erkrankung. „In Ländern, in denen der Bauchtanz Teil der Kultur ist, ist Harninkontinenz viel weniger ein Thema“, so Sula.

Elemente aus dem Bauchtanz finden sich auch in der Geburtsvorbereitung:“Frauen brachten und bringen teilweise heute noch ihre Kinder tanzend zur Welt. Das Baby rutscht optimal in den Geburtskanal, die Geburt wird dadurch beschleunigt.“ Schüttelbewegungen lockern und bewegen das Baby in den Geburtskanal, sie beugen mit der aufrechten, stehenden Geburt auch dem sogenannten Dammschnitt vor. In speziellen Rückbildungs-Trainings verhilft Bauchtanz übrigens jungen Müttern auch wieder zu Straffheit – denn die Rückbildung beginnt beim Training der Beckenbodenmuskulatur. „Bauchtanz verbindet das Mutter-sein auch wieder mit dem Frau-sein“, geht Sula auf die Besonderheit dieser Kurse ein.

„Tanz macht etwas mit uns“

Da der gesamte Körper in den Tanz involviert ist, ist Bauchtanz ein ganzheitliches Training. Von den Beinen beginnend, über den Beckenboden und Bauch bis hin zur Rückenmuskulatur: Der Tanz setzt auch Bandscheiben- und Rückenproblemen sowie Schulterverspannungen zu. Das gemeinsame Tanzen in den Frauengruppen ist weiters eine gute Möglichkeit, den sozialen Kontakt zu anderen Frauen zu pflegen und Freundschaften zu finden.

Männer genießen übrigens nicht nur die Darbietungen der Frauen, männliche Tänzer sind in den orientalischen Ländern ebenfalls sehr gerne gesehen (Anm.: Daher auch die gegenderten Begriffe!). Auch bei Männern stellt ein gut trainierter Beckenboden eine Gesundheitsvorsorge dar: „Der Beckenboden ist für die Aufrichtung des Penis und damit auch für die Potenz mitverantwortlich“, erklärt Sula. Ebenso beugen sie durch einen gut trainierten Beckenboden einer Inkontinenz des Schließmuskels vor.

Damit sich Frauen aber unter sich fühlen, sind im Tanzstudio Mänada insbesondere in den Anfänger/innen-Kursen keine Männer Zaungäste. Berüchtigt ist aber etwa der Technik-Drill des Bauchtänzers Azad Kaan, der gekonnt den eleganten Hüftschwung lehrt und insbesondere auf die Armhaltung und -führung eingeht.

Mehr Informationen findet ihr hier: 

Homepage Tanzstudio Mänada

Auf der Homepage gibt es übrigens auch einen Gutschein, mit dem der erste Workshop um 10 Euro günstiger wird.

Beitrag über das Tanzstudio Mänada auf Okto TV

 

 

1 Kommentar zu Die sinnliche Erotik des Bauchtanzes

  1. Hallo!

    Ich habe nichts gegen diese website ausser die das was ich gesehen habe über Bauchtanz. Also ich möchte sagen, das ich, als halb araberin und bauchtänzerin das ziemlich beleidigend finde. Wenn man sich gut informiert, weiß man, dass Bauchtanz ursprünglich Arabisch ist und als Kunst angefangen hat. Es sind bars und websites wie diese hier LEIDER, die Bauchtanz einfach zu einem dreck machen. Ja, zu hause, bei seinem partner ist das was schönes usw. Aber da kann man sich viel andere sachen einfallen lassen als eine Kunst so niedrig zu machen. Das war ein zeichen von Kultur und die schönheit davon, das für mich ist Bauchtanz. Es tut mir echt weh zu sehen, dass es jetzt zu etwas Erotikes gemacht wird und beziehungsweise wenn man in restaurants geht die 60 jährige alte männer ihr aufregungen auf so was bekommen und die 50er und 100er euros in die brüste, hüpften und sonst wo rein tun bei die bauchtänzerin. Das ist einfach eckelhaft zu sehen wie so einen wunderschönen Tanz, das mal als Kunst gesehen wurde zu eine Bordelle sache wird und die Tänzerinen zu Erotik Tänzerinen gemacht werden oder bzw diese Tanz benutzen um so was zu erreichen. Ich kenne meine Kultur und die bedeutung von dieses Tanz, und ich selber wenn ich auftrette bei events zeige das als eine Kunst und nicht eine Sexuelle einladung. Echt schade und eckelhaft zu sehen!

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