E.L. James: 50 Shades of Grey

Credits: Goldmann Verlag/Random House

Ausgerechnet diese sprachlich sehr schwache Trilogie schaffte so einige Umwälzungen: Als einer der ersten erotischen Bücher wurde Shades of Grey in den Buchregalen nicht versteckt, sondern offen – auch auf großen Buchmessen – präsentiert. Das war ja nicht immer so: Erotikliteratur bekam erst mit der Erfindung des eBooks einen Vertriebsschub – Diskretion ist das oberste Gebot; das verstohlene, peinlich berührte Anstellen an der Kassa war damit Vergangenheit. Buchketten erkennen seit dem Erfolg von Shades of Grey vermutlich erst so richtig das Potential, das in erotischer Literatur schlummert. Immerhin wurden laut Verlag mit Stand März 2013 70 Millionen Exemplare von Shades of Grey verkauft.

Weiters hat dieses Werk für den Handel ähnliches vollbracht wie „Sex and the City“: Wurde von der US-Serie der Vibrator entstaubt und im Verkauf angekurbelt, so schafft Shades of Grey den Einzug von SM-Praktiken in jedes Schlafzimmer. Die Kommerzialisierung des SM: Die „Official Fifty Shades of Grey Pleasure Collection“ mit Sextoys aus dem Buch für den smarten SM-Beginner feierte rechtzeitig vor Weihnachten 2012 ihren Einzug in die Regale.

Inhaltlich hält das Buch keiner Analyse stand: Grauenhafte Sprache. Nicht vorhandene Recherche, garniert mit mangelhaftem Handlungsbogen und fehlender Dramaturgie. Klischee, wohin das Auge auch blickt. Der angebliche Facettenreichtum des Christian Grey hätte getrost auch die Autorin küssen können, als Muse quasi. Hat er aber leider nicht: Shades of Grey wurde ein recht langweiliges SM-Märchen, von den Briten auch wenig liebevoll „Mummy Porn“ genannt.

Zur Story: Die junge Anastasia Steele lernt den gutaussehenden Millionär Christian Grey kennen. Die beiden verlieben sich ineinander – und über drei Bände hinweg wird die Protagonistin in Hausfrauen-SM-Techniken eingeführt. Besonders intensiv ist weniger der körperliche, als der psychologische Sadomasochismus: Das Leben der jungen Frau wird ab diesem Zeitpunkt in jederlei Hinsicht kontrolliert. Die Hauptfigur bringt diesen Umstand in einigen Passagen zwar kritisch zur Sprache, aber dafür darf sie dann mit der Kreditkarte des Mannes shoppen gehen. Alles wieder gut. Das Buch transportiert nicht nur sämtliche Klischees, es lässt die junge Ana in die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Mannes gleiten.

Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die völlig unrealistische Beschreibung der Sexualität zwischen den beiden: Die Protagonistin bekommt alleine vom Anblick ihres Gatten einen multiplen Orgasmus. Der Erfolg dieses Buches beruht vermutlich auf der Hoffnung der zumeist weiblichen Fangemeinde, ebenfalls diese Lust und überschäumende Liebe erleben zu können. Dazu gibt’s aber leider keine Anleitung, da hilft nur Neugierde und Trial-and-Error. Copy & Paste waren im Schlafzimmer noch nie gute LehrerInnen.

Die israelische Soziologin Eva Illouz hat die Trilogie einer detaillierten Analyse unterzogen und dazu ein eigenes Buch verfasst: „Die neue Liebesordnung – Frauen, Männer und Shades of Grey“. Ihrer Theorie nach ist „BDSM eine brillante Lösung für die strukturelle Instabilität von Liebesbeziehungen“. In Shades of Grey wird ihrer Meinung nach sadomasochistischer Sex als ein Weg gezeigt, traditionelle Geschlechteridentitäten zu festigen – allerdings unter dem „Regenschirm“ sexueller Lust. Eine Analyse, die man wohl nicht für alle SM-Paare gelten lassen kann – aber ein spannender (Diskussions-) Ansatz.

Fazit: Als reines Entertainment und Masturbationsvorlage erachten. Ansonsten: Nicht kaufen. Nicht lesen. Nichts versäumen. 

E.L. James: Fifty Shades of Grey
erschienen in der Verlagsgruppe Random House
deutsche Ausgabe: www.goldmann-verlag.de

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