„Ich behalte immer die Kontrolle“

Zwei Jahre bedingt für eine Wiener Domina, unter deren Obhut ein Freier zu Tode kam – ein vergleichsweise mildes Urteil. Das Urteil der erfahrenen Ex-Domina Contessa Juliette fällt härter aus. Sie plädiert dafür, BDSM-Techniken genau zu erlernen, um ernsthafte Folgen zu vermeiden.

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Eine 29jährige Sexarbeiterin hatte ihren 45 Jahre alten Kunden im September des Vorjahres auf Wunsch hin mit einem Schuhband gedrosselt, bis dieser in einer vorbereitete Schlinge sackte. Obwohl sich bereits sein Gesicht verfärbte, kleidete sie sich an – und verließ wie vereinbart das Hotelzimmer. Der Mann wurde später tot aufgefunden, er konnte sich selbst nicht mehr aus der Schlinge befreien. Sie wurde im Wiener Straflandesgericht wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu zwei Jahren bedingt verurteilt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Kontrolle behalten

Credit: Esther Crapélle

Contessa Juliette, Credit: Esther Crapélle

„Ich nehme an, dass die junge Frau keine erfahrene Domina war, sondern BDSM einfach zusätzlich angeboten hat“, erklärt die ehemalige Wiener Domina Contessa Juliette. Das seien oftmals auch die Grundprobleme in der Szene: Unerfahrenheit und mangelndes Wissen rund um BDSM-Techniken. Die Technik einer Atemreduktion muss vor Anwendung jedoch genau gelernt werden, und auf gar keinen Fall darf ein Kunde jemals alleine gelassen werden. Der dominante Partner muss immer die Kontrolle behalten und auf Atem und Herzschlag achten.

Der Umgang mit BDSM, so plädiert sie, sollte generell gelernt werden, um ernste Konsequenzen zu vermeiden. Contessa Juliette gibt ihr Wissen daher in Schulungen an Privatpersonen und SexarbeiterInnen weiter – und hier geht es nicht nur um die Techniken alleine. Ihrer Erfahrung nach gehen die Phantasien der Menschen weit über die Fähigkeit hinaus, diese auch auszuhalten. Es ist die Aufgabe einer Domina, die Grenzen zu kennen und angemessen darauf zu reagieren.

Um die Kontrolle bei Atemreduktion zu behalten, sei es etwa Pflicht, ganz in der Nähe im Raum mit dem Kunden zu bleiben. „Egal, ob der Kunde es verlangt oder nicht“, bekräftig sie. Auf Zehenspitzen, so erzählt sie, sei sie damals zurück zum Kunden geschlichen, um immer seinen Zustand unter Kontrolle zu halten und um im Notfall eingreifen zu können. Sind die Wünsche zu gefährlich, muss eine Domina abschätzen können, ob sie die Situation im Griff behalten kann. Im Ernstfall kann dies auch den Abbruch bedeuten: „Dann wird der Kunde eben nicht bewusstlos.“ Sicherheit sollte immer die oberste Maxime bleiben.

Es gibt keine rechtlich haltbaren Vereinbarungen

Vereinbarungen, die auch die Angeklagte unterschreiben ließ, sind rechtlich nicht bindend. Wenn also vereinbart wird, dass alle getätigten Handlungen nach ausdrücklichem Wunsch erfolgen, können Dominas dennoch rechtlich belangt werden. „Es ist und bleibt trotz Vereinbarung Körperverletzung. Dominas arbeiten dadurch auch permanent in einer Grauzone, an der Grenze zum Kriminal“, erklärt Contessa Juliette.

Die Angeklagte nahm die Strafe an und arbeitet inzwischen nicht mehr als Sexarbeiterin.

 

Die ehemalige Domina Contessa Juliette war über viele Jahre hinweg einer der schillerndsten Persönlichkeiten der Wiener Szene. Die Autorin des Buches „Der Engel mit der Peitsche“ bietet  heute Domina-Schulungen für Privatpersonen, SexarbeiterInnen und Dominas an. Der nächste Workshop findet am Samstag, dem 15. Oktober, in Wien statt. Wie so ein Workshop abläuft, das lest ihr in diesem Beitrag

Mehr Infos findet ihr unter www.contessa.at

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