Kommentar: „Es ist angerichtet, Schatz!“

**Versteht mich bitte nicht falsch: Ich liebe Männer, ich liebe ihre Körper. Ich weiß wie sich Männerkörper anfühlen, wie sie riechen, wie sie schmecken, Liebe und Geborgenheit geben und entgegennehmen können. Wenn mir Männer, die ich noch nie zuvor gesehen habe, nun Fotos von ihrem nackten Körper zusenden, ist wohl folgendes passiert: Nach dem Motto "Es ist angerichtet, Schatz!" kann frau dann hoffentlich nur schlecht "Nein" sagen, wenn die geballte männliche Erotik zuschlägt, abstrahiert auf die rein äußerliche Hülle.

Credit: Shutterstock/Mountainpix

Nackte Tatsachen

Meine ersten Erfahrungen mit Bildmaterial der besonderen Art hatte ich vor etwa 2 Jahren geschätzte 2 Sekunden nach dem Erstellen meines Websingles-Gratisaccounts. Die vielen Monate nach der Trennung vom Ex-Mann hatten Früchte getragen – ich war bereit, die Männerwelt wieder zu erobern. Was dann kam, war wie ein Orkan. Innerhalb der ersten Woche kamen hunderte Emails von Interessenten, obwohl ich lediglich ein abgespecktes Profil ohne Foto eingestellt hatte. Dafür hatte ich auf einmal jede Menge Fotos von Männern, die ich in ihrer vollen Mannespracht begutachten konnte.

Nackt, teilweise sogar mit Gesicht. Dafür hatten sich die Herren ins Zeug gelegt: Jede Menge Bildmaterial mit erigierten Penissen, den Blick stolz darauf werfend. Vor dem Badezimmerspiegel, am Bett, auf dem abgewetzten Sofa – manchmal hing im Hintergrund auch der röhrende Hirsch in idyllischer Waldlandschaft von der Großmutter an der Wand. Ich habe diese Fotos alle entsorgt, manchmal konnte ich aber einfach nicht anders und musste nachfragen: „WIESO?“ Wer an dieser Stelle eine Antwort erwartet – nun ja, ich habe keine besonders zufriedenstellenden Antworten erhalten.

Mich bitte nicht falsch verstehen: Ich sehe mir sehr gerne gut gemachte erotische Fotografien von Frauen und Männer an, sie beflügelt meine Phantasie. Ich will an dieser Stelle auch niemandem zu nahe treten oder gar outen. Mich interessieren jedoch die Mechanismen, die dahinter stecken – wenn Menschen sich in ihrer Präsentation lediglich auf ihre Hülle beschränken.

Medienaffin, aber nicht medienkompetent

Menschen sehen sich seit jeher gerne pornographische Bilder an. Pornografie hatte immer schon einen enormen Einfluss auf die Entwicklung von Technologien, sie treibt sie an. Ob Blue-ray Disc, Telefon oder leistbares Breitband-Internet: All diese technischen Entwicklungen wurden auf Grund der Telefonsex- und Pornoindustrie getrieben. Deren Businesskonzepte und technologischen Entwicklungen setzen bei den ganz essentiellen Bedürfnissen der Menschen an.

Wir wurden durch die Vielzahl an pornographischen Darstellungen, die wir im Laufe unseres Lebens sehen, aber vielleicht auch konditioniert. Vom Ziegelstein über Softdrinks bis hin zur Gürtelschnalle: Sex sells, denken sich viele Werber, und packen zum beworbenen Produkt die eine oder andere attraktive Menschenhülle hinzu. Schon einmal eine Erotikmesse besucht? Hier werden Menschen zu Gaffern degradiert, Erotik wird vor allem über schöne Hüllen kommuniziert, die sich an Stangen rekeln. Und in irgendeinem Eck fertigt man dann die traditionell älteren Männer mit umgehängter Digitalkamera ab, die auf Einlass in die halbstündlich stattfindende Peepshow warten. Natürlich mit Orgasmusgarantie.

Kontrolle behalten

Ich denke, dass dieses Phänomen aber auch damit zu tun hat, dass unsere Medienkompetenz zu wünschen übrig lässt. Wer Nacktbilder an unbekannte Empfänger versendet, darf sich nicht wundern, diese Fotos dann auch im Netz wieder zu finden. Durch das Versenden hat man die Verbreitung der Fotos einfach nicht mehr unter Kontrolle.

So werden heute laut Stopline kinderpornografische Inhalte schon lange nicht mehr nur durch Pädophile und kriminelle Organisationen produziert. Etwa 50 Prozent (!) der illegalen Inhalte, die an Stopline gemeldet werden, werden durch Sexting verursacht. Sexting ist das Tauschen und Verbreiten erotischer Fotos und Videos, das bei Jugendlichen zur Zeit “in” ist. Ob freiwillig als “Liebesbeweis” oder auch unter Druck versandt: Die Materialien kursieren anschließend im Netz, werden von Handy zu Handy von den Jugendlichen weiterverbreitet. Wie man sieht, sind weder Kids noch Erwachsene firm, was Medienkompetenz betrifft. Das lernt man dann durch schlechte Erfahrungen, wenn es bereits zu spät ist, die Fotos im Netz kursieren und im schlechtesten Fall auch noch eine Ehekrise verursachen.

Also, liebe Männer – wer mich beeindrucken will, zeige es mir doch anders. Fordert mich heraus, bringt mich zum Lachen, gebt mir Kontra, diskutiert mit mir über Gott und die Welt. Aber bitte bitte, ich flehe euch an: Schickt mir keine Nacktbilder!

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