Lebst du schon, oder funktionierst du noch?

Oftmals funktionieren wir, aber wir leben nicht. Störungen im Biorhythmus haben Auswirkungen auf den gesamten Körper, auch auf die Sexualität. Gegenstrategien gibt es viele, gosensual beleuchtet den tantrischen Zugang: Emotionen willkommen heißen.

Credit: Shutterstock/Diego Cervo

Unser Körper ist ein großer Rezeptor: Er nimmt Signale auf, speichert Erinnerungen. Wie wir uns selbst, oder auch andere uns behandeln, wie er berührt wird. Da wir nicht immer ganz so fein mit unserem Körper umgehen, entsteht ein Ungleichgewicht. Gegenstrategien gibt es zu Genüge. Wir beleuchten den tantrischen Zugang und befragen dazu Anna Tantra – sie hat sich in ihrer Praxis u.a. auf Störungen im Biorhythmus spezialisiert, die auch Auswirkungen auf die Sexualität haben.

Erotik-Killer Stress und Unausgeglichenheit

Lebst du schon, oder funktionierst du noch? Wer hat sich diese Frage nicht auch schon einmal gestellt. Da müssen Projekte unbedingt noch finalisiert werden, die Kinder aber auch noch rechtzeitig abgeholt werden. Das Abendessen kocht sich meist auch nicht von alleine. Wir sinken völlig fertig ins Bett, die Libido ist im Keller, um dann am nächsten Tag wieder im ewig gleichen Hamsterrad wiederzufinden. Bereits Kinder werden zu kleinen Robotern erzogen, Menschen kasteien und quälen sich – alles mit dem Ziel, geliebt zu werden. Wir tun Vieles, um „wertvoller“ zu sein, um in der Gesellschaft angenommen und akzeptiert zu werden.

Was das mit Sexualität zu tun hat? Zum Einen, weil Stress und Unausgeglichenheit Erotik-Killer sind. Sexualität ist im Tantra die Wurzel der Kreativität, eine Energiequelle, die alles um uns herum schafft. Sie ist die schönste Form der Kommunikation, und man verliert ein wunderschönes Stilmittel, wenn man sie versiegen lässt. Und zum Anderen, weil wir in unserer Sozialisation nicht lernen, auf uns selbst zu hören, Emotionen willkommen zu heißen. Die Selbstwahrnehmung ist verschüttet, der Leistungsdruck enorm. Wir spüren uns selbst nicht mehr. Alles Fähigkeiten, die auch für eine erfüllende Sexualität erforderlich sind.

Wir sind zum Funktionieren konditioniert

Befreit man sich von diesen Werbekonzepten, geliebt zu werden, ist man bei sich selbst angekommen. Sich von den gesellschaftlichen Normen und Konzepten abzuwenden, ist aber nicht ganz so einfach. Denn Emotionen sind nicht willkommen, sie werden vielfach auch einfach ausgeblendet. „So sind wir konditioniert“, erklärt Anna, „Der Abschluss eines Projekts, etc. ist wichtiger als wir selbst. Wir sind so erzogen: Geben ist besser denn Nehmen. Der Alltag vieler Menschen ist geprägt davon, sie können nicht sie selbst sein.“

Tantra stellt einer der Möglichkeiten dar, wieder Kontakt zu uns selbst aufzunehmen. „Bei der Tantra-Massage wird ganzheitlich respektvoll und wertschätzend berührt, von der Kopfspitze bis zur kleinen Zehe“, erklärt Anna. Emotionen, welche auch immer aufkommen, sind willkommen: „Ich darf so sein, wie ich bin.“ Der Körper erzählt bei diesen Sitzungen Geschichten, in der Vergangenheit Passiertes hat Auswirkungen auf die Gegenwart. „Da sind Gefühle und Empfindungen dabei. Unser inneres Sein, das sich nach außen zeigt“, so Anna. Männer dürfen weich und sensibel sein, müssen keine Härte zeigen und Leistung erbringen. Frauen dürfen sich selbst entdecken und ihren Körper wertschätzen lernen.

Ein Beispiel dafür liefert der US-amerikanische Sexualforscher David Schnarch in seinem Buch „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“. Frauen, die in ihrer Sozialisation nicht gelernt haben, ihre Geschlechtsorgane wertzuschätzen, haben wenig verwunderlich ein Problem mit Berührungen und mit dem Cunnilingus, also Oralsex. Während der Penis des Mannes noch als „bestes Stück“ beschrieben wird, ist bei manchen Frauen historisch nur die Bezeichnung „Scham“ oder der Befehl „wasch dich da unten“ hängengeblieben. „Die geringe Wertschätzung von Sexualität ist allen voran in Gesellschaften zu sehen, in denen die Religion stark verankert ist. Dazu muss man sich nur ansehen, wie die katholische Kirche, der Islam oder auch der Buddhismus und Hinduismus mit weiblicher Sexualität, Homosexualität oder auch Transsexualität umgehen.“ Dadurch entsteht eine negative Selbstwahrnehmung, deren Folgen im Alltag sichtbar werden.

Anna erzählt von Richard David Precht, dem deutschen Philosophen, der einmal gefragt wurde, was er mit Erotik verbindet. „Für ihn ist es die innere Haltung, eine innere Einstellung, die sich nach außen offenbart. Aber es kommt von innen“, geht Anna ins Detail.

Bedeutet: Sind wir mit uns nicht im Reinen, und lieben wir uns selbst nicht, können wir auch andere nicht lieben.

Mit Tantra negative Erinnerungen auflösen

Anna betreut Menschen, die sich ihren Emotionen stellen, sie vereint die Sehnsucht nach einem ausgeglichenen Leben. Sie wollen sich wertschätzen, für sich da sein. „In meinen Sitzungen darf losgelassen werden. Sie wissen oft nicht, was los ist, was sie gerade belastet. Diese Raum wird bei mir geöffnet, den Emotionen wird bei mir nachgespürt. Mit sanften Berührungen lösen wir negativen Erinnerungen auf“, so Anna. Die negative Programmierung ist im Tantra umkehrbar durch eine konsequente Speicherung positiver Erinnerungen.

Für Anna ist Tantra ein nachhaltiger Weg hin zu einem ausgeglichenen Leben. Dadurch, erklärt sie, werden wir auch unabhängiger von der Industrie: „Die Industrie macht uns vor, dass Erotik und Liebe käuflich sind. Wir sind nicht perfekt, sondern müssen an uns arbeiten. Kaufe dir diese Creme, und du wirst unwiderstehlich. Wir kaufen Produkte aber nicht nur, wir handeln bereits danach. Wir haben diese oberflächlichen Werbekonzepte verinnerlicht. Diese geringe Wertigkeit von Dingen, der schnelle Sex. Erfüllt er wirklich? Ich habe da meine Bedenken“, kritisiert Anna abschließend.

 

Anna Tantra betreibt eine Wiener Mantra-Praxis, die sich auf Störungen im Biorhythmus spezialisiert hat: www.tantra-erotik.at

 

 

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