Männer, das starke Geschlecht

**Männer leiden nicht. Es ist ein Genderstereotyp, dass Männer stark sind, nicht krank werden, klaglos in unserer Leistungsgesellschaft funktionieren. Haben sie ein Problem, so reden sie nicht darüber. Männer leiden aber – ebenso wie Frauen - unter Schönheitsidealen, oder besser unter dem nicht Erreichen eben solcher: Schlank, attraktiv und jung aussehend, sportlich, leistungsfähig, gesund.

Credit: Shutterstock

Schöne Menschen haben mehr Erfolg in der Liebe, sind ‚konkurrenzfähiger’ in der Partnersuche, wirken sympathischer. Kurzum: Wer schön ist, steigert seine Erfolgsaussichten. „Schön machen wir uns vor allem, weil wir soziale Anerkennung brauchen. Das ist keine ‚Frauensache’ und mit Spaß und Lust hat es nur selten zu tun“, so Nina Degele, Professorin für Soziologie und Geschlechterforschung.

Die Inszenierung unserer Erotik

Sex und Erotik sind untrennbar mit Schönheitsidealen verbunden. Wir inszenieren uns, wollen begehrt werden, uns attraktiv und schön fühlen. Schön sein zu wollen begleitet uns seit jeher: In der Renaissance war ein blasser Teint Ausdruck von Schönheit, im Barock üppige und ausladende Figuren Zeichen des Wohlstands. Als wir im 20. Jahrhundert aufhörten, unsere Kurven in enge Korsetts zu zwängen, wurde die Waage zu unserem größten Feind. Wir mussten abspecken.

Im heutigen Medienzeitalter steht ein attraktives Äußeres besonders hoch im Kurs. Dysmorphophobie, die übertriebene Beschäftigung mit einem eingebildeten Mangel oder äußerem Makel, ist mit einem enormen Leidensdruck verbunden. Während in den Medien vor allem Frauen daran zu leiden scheinen, kommen Männer auf die Ersatzbank. Aber nicht nur Frauen unterwerfen sich dem engen Korsett der Körperideale, auch der männliche Körper wird zum Fitness-Projekt, wird gestählt und geformt, um dem Model der Davidoff-Kampagne zumindest ansatzweise ähnlich zu sehen.

Pornos, Actionfilme, Zeitschriften und Magazine, Musikvideos und Werbespots legen nicht nur die Latte von Frauen sehr hoch. In Interviews mit Urologen wird deutlich, dass Männer nur wenig Ahnung von ihrem „besten Stück“ haben. Die gecasteten Männerkörper in Pornos (naja, nicht immer), Medien und Werbesujets sind gestählt, ihr Penis ist riesig und hart wie Stahl, und sie können immer – stundenlang, fünf Mal hintereinander. Mindestens. Die Realität sieht natürlich anders aus.

Denken wir daran, wenn das nächste Mal Frauen alleinig als Leidtragende expliziter Körperideale betrachtet werden. Denn auch das trifft die Realität nicht im Ansatz.

 

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit,

der Zutritt zu gosensual.at ist erst ab 18 Jahren gestattet.