Seilbondage & medizinisches Grundwissen

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Seilbondage erfreut sich immer größerer Beliebtheit – die Kunst des Fesselns wird heute nicht mehr nur zur sexuellen Stimulation angewandt: Durch seine Ästhetik hat Bondage auch den Einzug in Kunst und Kultur geschafft. Es stellt eine besondere Kombination von Kreativität, Sinnlichkeit und Erotik dar. Aber was hat Seilbondage mit medizinischem Grundwissen zu tun?

Grundlage: Die Anatomie der Körpers

Bondage ist nicht nur das Wissen um Knüpftechniken: Für die erotische Fesselung mit Seil sind intensive Kenntnisse hinsichtlich des menschlichen Körpers und seiner Anatomie notwendig. Denn der menschliche Körper besteht aus sensiblen Bereichen, in denen Blutstränge, Nerven, Sehnen und Lympfstränge verlaufen.

Um die Unfallgefahr zu minimieren und Seilbondage so sicher wie nur möglich zu praktizieren, hilft ein solides Grundwissen und das Auseinandersetzen mit den Gefahren und Risken. Einer der größten Gefahrenquellen in der Seilfesselung sind Druckschädigungen und Überreizungen von Nerven. Der/die Gefesselte fühlt bei abgedrückten oder überreizten Nerven ein Taubheitsgefühl oder ein Kribbeln in den betroffenen Regionen. In nicht wenigen Fällen gibt es aber auch keine Signale, man merkt eine Schädigung erst im Nachhinein. Die Folgen reichen von kurzfristigen Lähmungserscheinungen und Gefühllosigkeit über mittelfristigen Schädigungen (wie etwa der Verlust der Funktionstüchtigkeit) bis hin zu dauerhaften und bleibenden Verletzungen.

Die häufigsten Risken und Gefahrenquellen

So vertragen Körperstellen, an denen der Puls fühlbar ist – wie etwa die Kehle und die Halsvorderseite – keinen direkten, länger andauernden Druck. Gefährdete Stellen sind beispielsweise auch die Achselhöhlen, der innere Oberarm, das innere Handgelenk und der obere Bereich des Handgelenks. Hier laufen häufig auch empfindliche Sehnen und Lymphstränge. Ebenfalls sensibel sind der innere Ellenbogen, die Leistenbeuge, die Knierückseite und die Achillessehne.

Auch ein seitlicher Druck auf die Halsvene kann, insbesondere bei stehenden oder hängenden Personen, einen sogenannten Carotis-Sinus-Venenreflex auslösen. Denn der Körper reagiert mit einem Notfallprogramm: Im Bereich der Carotisgabel sitzen Sensoren, die den Blutdruck messen – einen Druck oder Schlag interpretieren diese Sensoren als erhöhten Blutdruck im ganzen Körper. Sie senken daher Blutdruck und Pulsfrequenz, was zu kurzer Bewusstlosigkeit oder auch zu einem Aussetzen des Herzschlages führen kann.

Hatte die Person, die gefesselt werden soll, bereits Kreislaufprobleme? Fesselungen im Stehen oder auch bei Hängefesselungen können zu Kreislaufproblemen führen, besonders Menschen mit niedrigem Blutdruck oder auch große Menschen sind davon betroffen. Sind bereits Probleme bekannt, kann beispielsweise lieber im Sitzen oder Liegen gefesselt werden – auf jeden Fall sollte darauf geachtet werden, dass die gefesselte Person nicht unkontrolliert umfallen kann.

Was ist zu tun?

Charakteristische Anzeichen für Kreislaufprobleme sind beispielsweise Hautblässe, kalter Schweiß, verminderte Ansprechbarkeit oder auch eine flache Atmung. In diesem Fall die gefesselte Person sofort Befreien und Hinlegen, Beine hochlagern oder auch in eine stabile Seitenlage bringen. Ein Rückstau des Blutes ist durch eine bläuliche Färbung der Haut, Taubheitsgefühl oder auch kühle Haut sowie Kribbeln oder Stechen erkennbar. In diesem Fall die Fesselung sofort abnehmen und die betroffene Körperstelle sanft massieren. Da es die Erektion und das Liebesspiel verlängert, wird beispielsweise der Penis gerne abgeschnürt. Wenn ein Penis (zu) lange abgebunden bleibt, kann dies sehr scherzhaft werden. Spätestens bei einer Blaufärbung des Gewebes raten Bondageexperten zu eine baldigen Entfesseln.

Eine Nervenreizung oder -quetschung kann sehr unangenehm sein und zu Taubheitsgefühlen führen, die mehrere Tage und im schlechtesten Fall auch Wochen anhalten. Auslöser können beispielsweise Seile oder dicke Knoten sein, die an empfindlichen Körperstellen Druck ausüben. Die sogenannte „Fallhand“ ist eine Reizung des Nervus Radialis, einem Nerv, der durch den gesamten Arm verläuft: die Hand hängt kraftlos nach unten. Welche Komplikationen wie lange auftreten, ist immer auch eine Frage des Drucks und wie lange dieser aufrecht erhalten wurde. Bei einem kurzfristigen Druck bilden sich Nervenreizungen meist innerhalb von ein paar Stunden zurück, längere Belastungen können zu einer längeren Rekonvaleszenz führen.

Polsterungen durch Schaumstoff, Schweißbändern oder Handtücher an Hand- und Fußgelenken können vorbeugen und den Druck abmildern. Sollte dennoch eine Komplikation auftreten, den Druck von der betroffenen Stelle rasch entfernen und mit einem Eisbeutel kühlen. Besonders anfällig für Nervenreizungen sind übrigens Menschen mit bereits vorgeschädigten Nerven etwa durch Drogenkonsum, schwerer Magersucht oder auch durch Krankheiten wie Diabetes.

Mehr Informationen dazu findest du beispielsweise hier:

Bondage Jam jeden 2. Dienstag im Monat zum Ausprobieren, Vertiefen und Üben japanischer Fesselkünste

Die Interessensvertretung Libertine bietet jeden 1. Donnerstag im Monat einen Bondage Jour-Fixe, etwaige Workshoptermine findet ihr ebenfalls auf der Homepage

Medizinische Bondage Basics von Ater Crudus

Medizinische Bondage Basics von Matthias Grimme

Buch: „Japan Bondage“ von Matthias Grimme,  2011 Charon Verlag

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