Studie: Mehr Studenten in Sexarbeit tätig

Credit: Shutterstock/Eugene Sergeev

Studienergebnisse der Swansea University/Wales sind richtungsweisend für die britische Prostitutionspolitik: Sexarbeit ist in der öffentlichen Debatte meist Frauen zugeordnet – das könnte die Studie nun ändern.

Key-Fact: Mehr Männer als Frauen betroffen

Für das drei Jahre dauernde Sex Work Project (2012 – 2015) wurden fast 7.000 Studenten zu ihren Erfahrungen mit Sexarbeit befragt. Diese wurde umfassend als direkt und indirekt definiert, also mit oder ohne Körperkontakt wie zB Webcam-Services oder dem erotischen Tanz. Insgesamt 5 Prozent der Studenten haben in der Sexbranche gearbeitet, und davon betroffen sind mehr Studenten als Studentinnen. So waren Studenten mit 2,4 Prozent direkt und 3,5 Prozent in der indirekten Sexarbeit tätig, während lediglich 1,3 Prozent der Studentinnen in der direkten, und 2,7 Prozent in der indirekten Sexbranche arbeiteten.

Szenefoto aus der Dokumentation "Die Jungs vom Bahnhof Zoo" von Rosa von Praunheim

Szenefoto aus der Dokumentation „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“ von Rosa von Praunheim

Die Zahl derer, die zur Zeit in der Sexbranche arbeiten, ist viel geringer: So sind drei Viertel derer, die angaben, jemals in der Sexbranche gearbeitet zu haben, nicht mehr in dieser tätig. Etwa die Hälfte der StudentInnen war weniger als ein halbes Jahr in diesem Sektor aktiv, und ebenfalls etwa die Hälfte tat dies im Ausmaß von weniger als 5 Stunden pro Woche.

Die Grundmotivation war vor allem die flexible Möglichkeit, um Geld zu verdienen. Ein Teil der StudentInnen gaben jedoch auch das Motiv an, Vergnügen zu erwarten – bzw. eher erwartet zu haben. Etwa ein Fünftel fühlte sich beispielsweise nicht immer sicher bei der Arbeit, allen voran diejenigen, die in der direkten Sexarbeit tätig waren.

StudentInnen, die nur unregelmäßig im Sektor arbeiteten, erwirtschafteten meist nur „Taschengeld“, um den Alltag zu finanzieren. Ein höheres Einkommen konnte nur durch Regelmäßigkeit erzielt werden. Etwa die Hälfte der Betroffenen verdiente weniger als 300 Pfund pro Monat hinzu, lediglich 13,4 Prozent verdienten mehr als 1.000 Pfund/Monat.

Die StudentInnen befürchteten vor allem die Stigmatisierung und waren streng darauf bedacht, Stillschweigen über ihr Engagement in diesem Sektor zu bewahren. Sehr hoch ist die Zahl derer, die überleg(t)en, in der Sexbranche zu arbeiten. Etwa ein Fünftel der Befragten gibt an, darüber nachgedacht zu haben (18,5% der Studenten, 23,6 Prozent der Studentinnen).

Universitäten nicht vorbereitet

Die Studie zeigte auf, dass Universitäten auf die Engagements ihrer StudentInnen in der Sexbranche nicht vorbereitet sind. So ist das universitäre Personal vor allem um das Image der Universität besorgt, das Wissen rund um Sexarbeit und ihre legalen sowie illegalen Wege sind enden wollend. Sie sind daher auch nicht gerüstet, um die betroffenen StudentInnen zB juristisch zu beraten. Eine der Key-Forderungen ist es daher, Universitäts-Personal zu schulen, um ihnen den kompetenten und klischee-befreiten Umgang mit den StudentInnen zu ermöglichen.

StudentInnen, so die Studie, seien lediglich auf der Suche nach flexiblen und besser bezahlten Jobs, als es im derzeitigen System für sie möglich ist. Und dafür sind sie nicht zu kritisieren.

Mehr dazu lesen:

The Student Sex Work Project 

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