Menopause: Individualisierte Therapieansätze

Das Klimakterium ist ein Alterungsprozess im Zeitraffer. Vielen Frauen geht es rund um die Lebensmitte nicht gut: Für zwei Drittel wird das Klimakterium zur Leidenszeit. Der Östrogenmangel ist für Wallungen, Schlaflosigkeit und andere körperliche Probleme verantwortlich. Was Frauen dem Menopausen-Syndrom entgegensetzen und wie sie ihre Libido stärken können.

Dr. Doris Linsberger / Credit: fotodienst / Anna Rauchenberger

Das Klimakterium ist ein Alterungsprozess im Zeitraffer. Vielen Frauen geht es rund um die Lebensmitte nicht gut: Für zwei Drittel der Frauen wird das Klimakterium zur Leidenszeit. Was Frauen dem Menopausen-Syndrom entgegensetzen und wie sie ihre Libido stärken können. 

Der Körper verändert sich

Das Klimakterium, so erklärt Dr. Markus Metka bei der Pressekonferenz der Österr. Menopause Gesellschaft, ist ein Alterungsprozess im Zeitraffer. Während etwa 30 Prozent der Frauen so gut wie gar keine Beschwerden haben, leiden 70 Prozent an dieser Umstellung des Körpers. Die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron sinkt, was ein Abgleiten in depressive Verstimmungen begünstigt. Der Östrogenmangel ist für Wallungen, Schlaflosigkeit und andere körperliche Probleme verantwortlich. So wird der Feuchtigkeitshaushalt der Haut und der Scheide vor allem durch dieses Hormon beeinflusst. Ein Mangel lässt die Haus austrocknen und ist für die typischen Alterungserscheinungen verantwortlich. Sex kann durch diese Folgen zu einer sehr schmerzhaften Angelegenheit werden.

Um Frauen zu helfen, ist eine individuelle Behandlung notwendig – denn jede Frau reagiert anders. Eine sexuelle Dysfunktion, wie Sexualmedizinerin Dr. Doris Linsberger es nennt, ist dann gegeben, wenn die individuellen Ansprüche an eine erfüllende Sexualität nicht erreichbar sind. Ihr geht es in diesem Zusammenhang nicht nur um die körperlichen Reaktionen, sondern auch um die massive Tabuisierung von Sexualität im Alter. Denn Sex, so plädiert die Sexualmedizinerin, hat nichts mit „Normalität“ zu tun: „Was für den Einzelnen gut ist, das ist wichtig.“

Das Erleben von Sexualität wird durch gesellschaftliche und kulturelle Vorgaben stark beeinflusst und manchmal auch beeinträchtigt. Darf eine ältere Frau Sex haben? Vielleicht sogar mit einem jüngeren Mann? „Vielleicht ist es ein Zeichen eines neuen Selbstbewusstseins, der Botschaft nach außen: Ich bin schön und lebendig! Ich weiß, was ich will! Vielleicht ist es auch ein Zeichen dafür, dass Frauen mit der Zeit lernen, ihre Bedürfnisse besser zu kommunizieren,“ so Dr. Linsberger, und stellt weiters fest: „Normen sollte es in der Sexualität nicht geben.“

„Sexualität wird angepasst“

Einen großen Einfluss auf die Sexualität haben gewisse Risikofaktoren, und diese nehmen im Alter zu: Krankheiten wie Depressionen, Durchblutungsstörungen und Diabetes beeinflussen das Ausleben der Sexualität. Und zwar die Krankheiten selbst, aber auch die Medikamente, die gegen die Symptome genommen werden. Eine Studie aus dem Jahr 2008 bestätigt, dass die sexuellen Störungen im Alter zwar zunehmen, der Leidensdruck aber abnimmt. „Offenbar passt sich der Menschen seiner Sexualität an und nicht umgekehrt“, interpretiert Dr. Linsberger das Ergebnis, und plädiert gleichzeitig: „Sexualität kann in jedem Alter positiv erlebt werden.“

Frauen sind nach der Menopause oft viel freier, als sie es davor waren: Die Kinder sind aus dem Haus, sie müssen auch nicht mehr verhüten. „Sexualität ist im Alter viel freier erlebbar“, so Linsberger. Frauen, die damit nicht zurechtkommen, kann geholfen werden: „Diesen  Frauen müssen wir beratend zur Seite stehen, sowohl in der Vorbeugung, um den Körper fit und gesund zu halten, als ich beim Auftreten von die Sexualität betreffenden Problemen.“

Individuelle Anamnese

Die Menopause wirkt sich auf die unterschiedlichsten Körperwerte aus: Östrogen ist beispielsweise ein natürlicher Blutdruck- und Cholesterinsenker. Bei vielen Frauen, die in die Wechseljahre kommen, entstehen plötzlich Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck, der Cholesterinspiegel steigt. Fällt das Östrogen bei der Frau weg, kommt es vermehrt zu Herzerkrankungen, Arteriosklerose und Herzinfarkten.

Spannend sind in diesem Zusammenhang die Verschreibungen bestimmter Arzneimittelgruppen, die bei Frauen zwischen dem 50. und 55. Lebensjahr enorm ansteigen. Dazu gehören Psychopharmaka und Narkotika, Blutdrucksenker und Cholesterinsenker.

Bei leichten Beschwerden bieten jedoch auch natürliche, pflanzliche Wirkstoffe eine gute Basis, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Isoflavone wirken regulierend auf den Hormonhaushalt, ohne selbst Hormone zu sein. „Isoflavone, isoliert vor allem aus Rotklee und Soja, können Symptome der Wechseljahre verhindern. Ihre positiven Effekte konnten in großen Studien eindrucksvoll nachgewiesen werden und habe sich auch in der Praxis bewährt“, so Dr. Linsberger.

Linsberger plädiert aber vor allem dazu, darüber zu reden und das Tabu der Sexualität im Alter zu brechen: „Wir Ärztinnen und Ärzte müssen signalisieren, dass wir offen, kompetent und bereit sind zu reden. Wir müssen noch einige Tabus brechen, um einer befriedigenden Sexualität und einem zufriedenen Leben in der Menopause auf die Beine zu helfen.“

 

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