Neue Partnervermittlung für Transsexuelle

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Eine neue Partnervermittlung ist ab sofort on Air:  „Im Dienst der Liebe.“ Das Besondere daran: Sie ist speziell auf die Bedürfnisse von Transsexuellen ausgerichtet. Die beiden Gründer Johanna und Peter Treichl im gosensual-Interview.

Peter Treichl ist ein Urgestein in der Partnervermittlungsszene, er ist seit 22 Jahren Teil der Branche. Treichl betreibt zur Zeit sieben verschiedene Agenturen, die jeweils auf eine andere Zielgruppe zugeschnittene Services anbietet. So sind seine Partnervermittlungen spezialisiert auf Senioren oder Homosexuelle, eine andere ist spezialisiert auf die Vermittlung christlicher Singles.

Johanna und Peter Treichl sind seit dem Start der neuen Partnervermittlung medial gefragt - Credit: Peter Treichl

Johanna und Peter Treichl sind seit dem Start der neuen Partnervermittlung medial gefragt – Credit: Peter Treichl

Peter Treichl könnte einigen Leser/innen im Gedächtnis sein als derjenige, der sich mit Conchita Wurst anlegte: Er warb mit einem Bild einer dunkelhaarigen Frau, die sich gerade den Bart rasiert. Der dazugehörige Slogan: „Auf WEN oder WAS Sie stehen ist mir WURST“. Die angedrohte Klage wurde seitens Conchita Wurst laut Treichl nie eingereicht, die damals gegründete Agentur für gleichgeschlechtlich Liebende war aber der Auslöser für die Gründung von „Im Dienst der Liebe“: Da die Nachfrage von und für Transsexuelle immer stärker wurde, wird der Bedarf nun seitens Treichl und Johanna serviciert.

Geschäftspartnerin Johanna ist an Bord des Unternehmens, da sie aus ihrer eigenen Geschichte heraus die Bedürfnisse transidenter Personen besonders gut kennt: Sie hat diesen Weg selbst hinter sich und kann sich damit bestens in die Sehnsüchte der Klient/innen einfühlen.

„Es gibt keine 100%ige Heterosexualität“

„Heteronormativität ist ein rein gesellschaftliches Konstrukt, mit den realen Sehnsüchten hat dies nichts zu tun“, weiß Johanna aus ihrer Erfahrung, „Menschen, allen voran Männer, sind viel aufgeschlossener, als wir denken.“ Was nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, ist jedoch sehr rasch ‚abnormal‘ – und um keinen Konsequenzen ausgesetzt zu sein, werden diese Begierden nur abseits der Öffentlichkeit ausgelebt. Auch Peter Treichl weiß aus seiner Praxis, dass es jede Menge Anfragen von Männern für transsexuelle Frauen gibt. Zugeben würde dies vermutlich keiner von den Männern – aus Scham und Angst vor Konsequenzen. Treichl weiß: „Ich eröffne einen Markt, der noch nicht existiert.“ Oder vielleicht besser gesagt: Der laut den gesellschaftlichen Normen gar nicht existieren dürfte.

„Es wäre naiv, zu glauben, dass der heteronormative Zugang das Maß aller Dinge ist. Sexualität ist voller Vielfalt und Abstufungen, jeder Mensch ist neugierig“, erklärt Johanna im Interview. In ihrer Arbeit nutzt sie diesen offenen und befreiten Zugang, um anderen Menschen zu helfen, mit ihren Hemmnissen umgehen zu lernen. Gemeinsam mit Peter Treichl setzte sie ein Konzept auf, das auf die Bedürfnisse von Transsexuellen zugeschnitten ist. „Transidente Menschen leiden häufig an mangelndem Selbstbewusstsein, fühlen sich ausgegrenzt“, weiß Johanna.

Auch sie hat sich intensiv der Frage gestellt: Was passiert, wenn ich aus der Rolle falle? Nicht in das enge Korsett der gesellschaftlich akzeptierten Rollen passe? Und da man erst einen anderen Menschen lieben kann, wenn man sich selbst liebt, bietet sie parallel zur Partnervermittlung sogenannte Selbstliebetrainings an. In diesen gibt sie gezielte Techniken weiter, die Menschen helfen, zu sich selbst zu finden. „Leid entsteht durch Stressgedanken“, weiß Johanna, „Mir selbst hat Yoga sehr stark geholfen, meinen Weg zu finden.“

Unterstützung bei der Bewältigung der Einsamkeit

Die Anbahnung von Kontakten unterscheidet sich von reinen Online-Singlebörsen. Denn seitens der Agentur werden die Absichten der Damen und Herren persönlich geprüft. Die Vermittlung basiert auf der Grundlage der Aufrichtigkeit, und dies wird seitens der Mitarbeiter im persönlichen Gespräch abgeklopft.

Das Geschlecht, so Johanna, ist ihren Schützlingen, die sich bereits bei ihrer Agentur angemeldet haben, meist egal. „Die meisten Menschen wollen einfach nicht mehr alleine sein, das Geschlecht ist hier zweitrangig“, erzählt sie aus der Praxis. Gemeinsam mit den Kunden/innen wird ein Profil erstellt: Was ist dir an einem Partner/einer Partnerin wichtig? Im zweiten Schritt wird ein 90 bis 120 Sekunden langes Video erstellt: „Fotos alleine reichen für einen ersten Eindruck nicht aus.“

Grundsätzlich ist für die erfolgreiche Partnervermittlung viel Zeit und Geduld notwendig. „Die Verträge laufen in der Regel zwischen ein und zwei Jahre“, so Johanna. Eine Zeitspanne, die ihre Kund/innen aber im Kampf gegen die Einsamkeit gerne in Kauf nehmen.

Die Links zum Text:  

Die Kontaktdaten findest du auf der Homepage von Im Dienst der Liebe

Mehr zu Peter Treichl findest du hier

 

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