Robert Krutisch: Die Magie der Erotik

"Liebendes Paar" von Robert Krutisch

Seine Bilder wurden bereits geschändet und gestohlen, aufgeschlitzt und beschossen: Robert Krutisch’s erotische Kunstwerke lassen niemanden kalt. Wir haben den Künstler in seinem Wiener Atelier besucht.

„Die Magie muss da sein“

Der Wiener Künstler Robert Krutisch vor einem seiner Werke / Credit: Robert Krutisch

Der Wiener Künstler Robert Krutisch vor einem seiner Werke / Credit: Robert Krutisch

„Create the Magic“ – Walt Disney’s Motto hat Robert Krutisch nicht ohne Grund für sich entdeckt. Der gebürtige Klosterneuburger studierte Wirtschaft in New Orleans/USA und abeitete für eine spezielle Task Force des Magic Kindom Parks in Orlando, und zwar für „Pirates of the Carribean“. Das Motto beschreibt den Zugang zu seiner Kunst: Er spielt mit Dualität, weckt Abenteuerlust und Sehnsüchte.

Durch das Fragmentieren, das gezielte Abschneiden der Motive, ist der Betrachter näher am Bild. „Ich male Key Visuals und übernehme gerne Motive aus der Werbung“, erklärt Robert Krutisch im Interview. Bilder unterschiedlichster Werbe-Stile, aus vergangenen Jahrzehnten, kombiniert zu etwas völlig Neuem: So kann es vorkommen, dass sich ein Gesicht aus einer Ketchup-Werbung aus den 80er Jahren in seinen Werken wiederfindet, oder Stars aus Kunst und Kultur, längst vergangenen Zeiten. David Bowie ziert ein Bild, oder auch Steve McQueen.

Credit: Robert Krutisch

Shake down King Kong / Credit: Robert Krutisch

Seine Bilder sind intensiv, dynamisch und großflächig wie das sogenannte Billboard Advertising. Wie Werbung funktionieren Krutisch’s Bilder sofort, sie erzielen eine schnelle Wirkung. Seine Bildsprache ist einfach und spielt mit den Zeitachsen: Nach links geht’s in die Vergangenheit, nach rechts in die Zukunft. Sein Ziel ist die Nonchalance und die Leichtigkeit, Dramen werden sich in seinen Bildern nie widerspiegeln – außer wir interpretieren sie hinein. „Die Magie muss da sein. Der Zuseher soll ein gutes Gefühl beim Anblick meiner Bilder haben.“ Sie sollen Spaß machen und anregen. Nicht immer gelingt ihm dieses Zauberwerk, manche Bilder sind seit 15 Jahren permanent in Wandlung. Zufrieden wird er wohl nie ganz mit ihnen sein.

Robert Krutisch verzichtet in seinen Bildern auf Details, sie wirken bei der Betrachtung aus der Ferne aber dennoch detailreich. „Ich bin kein Detailmensch“, so Robert, „Ich will eine Wirkung erzielen, und daran tüftle ich. Ich bin wild und süchtig nach dem Ergebnis, nach dem fertigen Bild, aber der Prozess an sich ist nicht glamourös.“

Geschändet, gestohlen, aufgeschlitzt und beschossen

So funktioniert's: Weibliche Dominanz in seiner natürlichsten Form / Robert Krutisch

„Montecatini“: So funktioniert’s – weibliche Dominanz in seiner natürlichsten Form / Credit: Robert Krutisch

Erotische Kunst lässt niemanden kalt. Man liebt sie, oder kritisiert und hasst sie. Zugleich wird sie durch Robert Krutisch zum Leben erweckt, er erzählt mit seinen Werken kleine, zeitlose erotische Geschichten. Erotik, die uns nahegeht, das ist in unserer oberflächlich erotisierten Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. So wurden seine Bilder bereits gestohlen und geschändet, aufgeschlitzt und beschossen. Was die Täter/innen wohl nicht wussten: Bilder mit einer derart speziellen Geschichte verkaufen sich ganz besonders gut. Es lädt die Bilder erst recht mit Emotion auf und lässt sie zu einem Unikat werden.

Seine Werke waren in Ausstellungen in Orlando, München und Wien zu sehen, unter anderem auch bei der umstrittenen Rauminstallation des Schweizer Künstlers Christoph Büchel 2010 in der Secession. Er verwandelte das altehrwürdige Gebäude kurzerhand in einen Swingerclub, an der Wand hingen exklusiv Werke des Wiener Künstlers. Sie gaben dem Etablissement die Freude am Leben, die Dynamik, eine sehr hochwertige Erotik mit auf den Weg.

Robert Krutisch über seine Kunst: „Für mich gibt es drei magischen Zutaten, mit denen ich versuche, meine Gemälde für den Betrachter sinnlich und verführerisch zu machen: Lieber Geheimnisse schaffen, statt lüften. Zum Beispiel die Tätowierung mit dem kleinen Affen und dem kuriosen Bildtitel „Shake Down King Kong“. Eine Brise Tabubruch. Und drittens platziere ich meine Eyecandies gerne an klassischen Sehnsuchtsorten der Menschen: Hotels, am Meer, Venedig, auf Pferde oder einfach ins durchwühlte Himmelbett…“

Hier erfährst du mehr:

Homepage von Robert Krutisch

„Die Presse“ hat die Pressestimmen zur umstrittenen Installation in der Wiener Secession zusammengefasst: Bettgeflüster unterm Beethovenfries

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