An der Schwelle der eigenen Grenzen

Schwelle7 Wien

Die Schwelle7 in der Wiener Rotenlöwengasse bricht mit jedem Klischee, womit man Sadomasochismus normalerweise in Verbindung bringt. Wer einen finsteren Keller mit Käfig, Gynäkologenstuhl und Andreaskreuz erwartet, wird enttäuscht: Ein wunderschönes Gewölbe, für die flexible Verwendung nur spartanisch eingerichtet. Lediglich die herabhängenden Karabinerhaken lassen den Zweck des Kellergewölbes erahnen.

Die Wiener Schwelle7 ist ein Veranstaltungsort mit einer Fläche von 250 m2, jede Menge Platz für Workshops und Seminare, Performances und Parties „auf der Schwelle zwischen Kunst und Sexualität“. Der Kulturverein kam aus der Berliner Schwelle7 hervor: Die beiden Gründer Reinhard Gaida und Michael Schrems brachten das sehr erfolgreiche deutsche Kulturprojekt in die österreichische Bundeshauptstadt. Felix Ruckert, deutscher Tänzer und Choreograf, gründete die schwelle7 Berlin im Jahre 2007 als Raum, der der experimentellen Körperarbeit und Körperforschung gewidmet ist, vor allem aber „Spiel, Zauber und sanftem Wahnsinn“. Seit 8. Dezember 2012 ist die Schwelle7 auch in Wien angekommen.

Potentiale in sich entdecken

Credit: Schwelle7 Wien

Credit: Schwelle7 Wien

Das Entwickeln der eigenen Sexualität ist immer auch eine Entwicklung der Persönlichkeit. „In der Sexualität steckt enormes Potential. Wer sie verdrängt, beschränkt sein Leben“, so Reinhard Gaida, „ Die Sexualität ist eine unglaublich starke Kraft in uns. Wer diese achtsam und im Einklang mit seiner Umwelt befreit, wird selbstbewusster und kreativer.“

Sich auf etwas Neues einzulassen, heißt aber auch, eine Schwelle zu übertreten. Die Schwelle7 forciert dieses bewusste Spiel und den Entwicklungsprozess, bei dem es darum geht, die dunkle Seite in uns anzunehmen und zu integrieren. Die Erotik und ganz besonders SM sind dazu geradezu prädestiniert: „Dieser innere Wunsch nach Gleichgewicht spiegelt sich in SM wider.“ Das Übertreten dieser eigenen Grenzen im Spiel bringe Menschen generell weiter, führt Michael Schrems aus, „überschreite ich sie hier in der Schwelle7, kann ich es auch im Leben.“

Um die Komfortzone zu verlassen, brauche es nicht immer ein klares Ziel oder gar Effizienz. Nicht jeder Schritt muss korrekt sein, Fehler und Unsicherheit gehören zur Entwicklung hinzu. „Viele Menschen sehnen sich danach, in einem geschützten, achtsamen Raum etwas über ihre Sexualität zu erfahren“, so Reinhard Gaida, „Sie wollen ihren erotischen Radius erweitern und sich Werkzeuge aneignen, die für ihre Partnerschaft, aber auch für neue Kontakte hilfreich sind.“ Dies erfordert innerhalb der Schwelle7 eine sensible Stimmung, um Menschen zu fördern und zu unterstützen, wenn sie den Schritt auf unbekanntes Terrain wagen.

Um sich fallen zu lassen zu können, ist nicht nur eine gewisse persönliche Offenheit notwendig, auch das Setting muss passen. Die beiden Gründer haben daher besonderes Augenmerk auf eine entspannte Atmosphäre gelegt, in der man sich wohlfühlen kann. Ganz bewusst distanziert sich die Schwelle7 von Swingerclubs und ihren meist sehr ähnlich gestalteten, dungeonähnlichen SM-Bereichen. „Die Schwelle ist ein offener Raum, der beliebig verwendbar ist“, so Michael Schrems.

Kink Academy 

Credit: Schwelle7 Wien

Credit: Schwelle7 Wien

Eingebettet in die Schwelle7 Wien ist die Kink Academy, in deren Zentrum die Wissensvermittlung, Diskussion und Selbsterfahrung stehen. Durch den spielerischen Zugang in Workshops und Seminaren wird das Thema Sexualität völlig unaufgeregt, offen und wertschätzend angesprochen. Es gibt Raum für konkrete Fragen, das Ausleben heimlicher Phantasien, aber auch das erste und unverbindliche Kennenlernen von SM, Fetischen oder auch Flirttechniken.

„Wir haben eine Plattform geschaffen, wo über Träume, Wünsche und Erfahrungen gesprochen werden kann. Wir bieten Weiterbildung im Bereich Sexualität und Beziehung an“, so Michael Schrems abschließend.

 

Mehr Informationen zur Schwelle7 Wien und dem Programm findest du hier

 

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  1. “Wie ein großer Spielzeugladen” - lebe lieber sinnlich

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