Sexworker – 33 Frauen, die mit Lust arbeiten

Die drei Autorinnen Cornelia Jönsson, Silke Maschinger und Tanja Steinlechner haben dieses Buch 33 Frauen gewidmet, die sich mit der sexuellen Lust beschäftigen. Die Interviews portraitieren die unterschiedliche Zugänge zu Erotik und Sexualität und geben Einblick in die Arbeit von Sexarbeiterinnen, Sexualtherapeutinnen, Pornoproduzentinnen, Erotik-Coaches oder auch Autorinnen erotischer Literatur. Denn die menschliche Erotik und Sexualität ist von Vielfalt geprägt, und das Buch zeigt diese Komplexität und Vielfalt, gibt in den Portraits und Interviews die unterschiedlichen Zugänge zur Arbeit mit der Lust wider. Sexarbeit, so sind die Autorinnen überzeugt, ist nicht nur die Arbeit derer, die Orgasmen anbieten. Sie geben dieser begrenzenden Blickweise, dass Sexarbeit lediglich dort stattfindet, wo „abgespritzt wird“, auch Mitschuld an der verklemmten Haltung, mit der über Sexarbeit diskutiert wird.

Kreative Gestaltung von Sexualität

Autorin Silke Maschinger, Herausgeberin von erosa.de

Eine der Autorinnen: Silke Maschinger, Herausgeberin von erosa.de

Im Fokus der Autorinnen steht der einvernehmliche, positive und kreative Zugang zu Sexualität und Sexarbeit. Diese stellt für die Autorinnen eine wichtige, anspruchsvolle und wertvolle Arbeit dar. Ganz im Gegensatz zu den Assoziationen, die in Medien mit diesen Begriffen einhergehen. Menschenhandel und Ausbeutung, Zwangsprostitution und Schwarzarbeit findet keinen Eingang in das Buch.

„Wir wollten wissen, was das für Frauen sind, die sich beruflich mit der schönsten Sache der Welt beschäftigen“, ist im Vorwort zu lesen, „Die die Führungssessel in dieser Domäne nicht den Männern und somit dem männlichen Begehren überlassen, sondern die selbst, mit weiblichem Blick und weiblicher Lust, aktiv und kreativ Sexualität prägen und gestalten.“

Es sind Frauen, die nicht mit einem Bein im Kriminal stehen, und auch nicht gerettet werden müssen. Ganz im Gegenteil: Es sind Frauen, die sich stark auch mit ihrer Erotik und Sexualität auseinandergesetzt haben, das erotische Selbstbewusstsein quasi zu ihrer Mission gemacht haben. Wenn Sexualtherapeutinnen oder auch eine Sextoyparty-Veranstalterin von den Problemen ihrer KundInnen erzählt, so ist man als LeserIn in der Realität angekommen. Es geht um Offenheit und Lügen in Beziehungen, oder dem Nachlassen von Lust und Libido in langfristigen Beziehungen. Es geht um Frauen, die auf der Suche nach ihrer Sexualität sind, oder das erotische Spiel bereits zu spielen wissen.

Damit gelingt dem Buch ein Spagat: Es portraitiert nicht nur Frauen, die mit Lust arbeiten, es gibt einen facettenreichen Einblick in die zutiefst menschlichen Bedürfnisse von KundInnen, ihren Probleme, ihrer Lust und ihren Beziehungen.

Fazit: Während Studien zu Sexarbeit wie etwa von Helga Amesberger die politischen Rahmenbedingungen und Strukturen von Sexarbeit auf der Metabene untersuchen, geht das Buch einen Schritt weiter. Es erweitert den Horizont, wie vielfältig Sexarbeit ist und gibt die persönlichen Erfahrungen der Expertinnen weiter. So ist es ein gelungener Einblick in eine bunte und kreative Szene, die einer Entwicklung in der Gesellschaft Rechnung trägt: Es geht weg von einer einengenden Sexualmoral, hin zu einer Verhandlungsmoral. 

Sexworker: 33 Frauen, die mit Lust arbeiten – Portraits und Interviews
von Cornelia Jönsson, Silke Maschinger & Tanja Steinlechner
erschienen im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
ca. 320 Seiten
ISBN 978-3-86265-391-1

Mehr zum Buch findet ihr unter www.erosa.de/sexworker/

 

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