Shades of Grey: Dialoge aus der Hölle

Trotz der ohnehin tiefgestapelten Erwartungshaltung macht der Film fassungslos: Der zweite Teil von E.L. James‘ Softporno stolpert durch das Leben der beiden Protagonisten, als gebe es kein Morgen.

Und wenn sie nicht gestorben sind.... Autorin E.L. James erfüllt sich mit Shades of Grey ihren ganz persönlichen Traum aus Zuckerwatte. Credits: Doane Gregory/Universal Pictures

Ich hatte ohnehin nicht sonderlich viel erwartet. Keinen feinen Humor wie in „4 Hochzeiten und ein Todesfall“. Oder eine vergleichbare Leistung wie Emanuelle Seigners grandiose Darstellung als „Venus im Pelz“. E.L. James ließ mich bereits als Leserin etwas verstört zurück. Diese filmische Bruchlandung hatte ich aber dann doch nicht erwartet.

„Wenn ich nicht gleich zu weinen aufhöre, dehydriere ich“

„Travellers of Joy“, der Wiener Anbieter für erotische Reisen in die Welt der Sinne, versuchte es ein zweites Mal und lud zur „Darker“-Premiere in die Wiener Millennium City. Veranstalter Alfred W. brachte es in seiner Ansprache auf den Punkt: „Es kann nur besser werden.“ Dachten wir jedenfalls – mitnichten.

Es half wohl nicht sonderlich, dass E.L. James Ehemann höchstpersönlich, Niall Leonard, für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, seine Ehefrau den Film auch produzierte. Der Film hat keine Tiefe, keinen Körper, keine Seele. Man hat den Eindruck, dass sich die Autorin ihren größten Wunsch erfüllt: Ihre in rosarote Zuckerwatte gepackten Vorstellungen einer Märchenbeziehung auf die Leinwand zu bringen, koste es was es wolle.

Der Film rast mit einem Affenzahn durch Meilensteine im Leben von jungen, verliebten Menschen. Innerhalb von fünf Filmminuten ziehen Christian Grey und Ana zusammen, er macht ihr einen Heiratsantrag und heilt sein tiefes Kindheitstrauma, überlebt einen Helikopterabsturz. Alles ist wieder gut. Dazwischen nimmt sich Jamie Dornan aka Christian Grey noch ein paar Sekunden Zeit, im Fitnesscenter seinen Sixpack zu stählen. Der einzige wirklich sehenswerte Moment in diesem Film, wenn ihr mich fragt.

Sprachlich betrachtet ist „Shades of Grey“ ja bereits als Buch eine Katastrophe. Positiv formuliert: Fans der Bücher werden sich freuen, dass sich der Film an die Vorlage hält. Mein persönliches Highlight: „Wenn ich nicht gleich zu weinen aufhöre, dehydriere ich.“ Eine Dialogregie aus der Hölle. Warum die Produktion ausgerechnet so tiefschürfende SMS wie „Ciao Ciao Baby“ in den Film einarbeiten muss, bleibt ebenfalls nicht nachvollziehbar.

Entspanntere Schauspieler

Eines scheint sich gewandelt zu haben: Waren Jamie Dornan und Dakota Johnson im ersten Teil noch etwas hölzern unterwegs, haben sich die beiden vermutlich damit arrangiert, keine Oscar-Nominierung für ihre Performance zu erhalten. Die beiden Schauspieler haben nun etwas mehr Spaß bei der Sache und vögeln mit Verve durch diesen Softporno für Jungerwachsene – was Jamie Dornan auch in Interviews zugegeben hat. Weiters scheint er in seiner Rolle als Serienkiller Paul Spectre in der Serie „The Fall“ eher aufzugehen als in seiner Darstellung des Milliardärs Christian Grey. Kann man ihm nicht verdenken.

Warum Shades of Grey allerdings weiterhin als SM-Werk gilt, ist mir schleierhaft: Abseits von vier (ich hab mitgezählt!) fast schon rührigen Klapsen auf Anas Hinterteil ist mustergültiger Blümchensex angesagt. SM wird als Ausdruck von krankhaftem Kontrollzwang kommuniziert, eine Folge von Missbrauch und Psychosen. Shades of Grey wird die Wahrnehmung von BDSM als lustvolle Spielart der Erotik wohl nicht positiv beeinflussen.

 

Fazit: Null Punkte. Der Film erhält von mir maximal eine in Panik hochgezogene Augenbraue. (Wer gibt mir diese 2 Stunden meines Lebens zurück?)

Shades of Grey: Darker
USA, 2017
Regie: James Foley
Darsteller: Jamie Dornan, Dakota Johnson
Drehbuch: Niall Leonard

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