Vegane Verhütung: Tierfrei im Bett

**Veganer sind streng darauf bedacht, ihren Alltag frei von Tierprodukten und Tierversuchen zu halten. Vegane Verhütungsmethoden, die Sicherheit bieten, sind jedoch rar. Der Wiener Gynäkologe Dr. Christian Fiala, Leiter des Gynmed-Ambulatoriums für Schwangerschaftsabbruch: "Ethisch-ökologische Ansprüche und hohe Verhütungssicherheit widersprechen sich leider. Wir beobachten, dass immer mehr vegan verhütende Frauen unser Ambulatorium für einen Abbruch aufsuchen."

Credit: Shutterstock/Mikhail Dudarev

Die Qual der Wahl

DDr. Christian Fiala

DDr. Christian Fiala

In den Blogs und Foren zum veganen Lebensstil ist immer wieder von Kompromissen die Rede. Frauen, die sicher verhüten wollen, wechseln zu gering dosierten, hormonellen Verhütungmethoden, da vegane Verhütungsmethoden oftmals wenig wirksam sind, oder steigen um auf „fast vegane“ Verhütungsmittel. Denn bei der genaueren Spurensuche entpuppen sich viele Verhütungsmittel als nicht oder eben nur „fast“ vegan.

Zu den völlig unbedenklichen Methoden gehört beispielsweise die Selbstbeobachtung, bei der jeden Tag die Temperatur gemessen wird. Eine höhere Sicherheit bietet hier die Kombination mit dem Überprüfen des Cervix-Schleims sowie dem Abtasten des Muttermundes. Für die Temperaturmethode gibt es bereits Computer am Markt, die eine sehr genaue Temperaturmessung (auf zwei Stellen) bieten. Die Methodik bleibt jedoch eine Wissenschaft für sich, die noch dazu sehr wenig Sicherheit bietet: So ist der Körper natürlichen Schwankungen unterworfen, die Symptome sind nicht immer eindeutig zu interpretieren. Die Temperatur kann durch viele Einflüsse verändert werden, und nicht nur durch den Zyklus.

„Fast“ vegan

Ebenso ist der Verhütungscomputer „Persona“ keine komplett vegane Alternative. Der Computer misst das Hormon LH im Urin und identifiziert damit die Tage, an denen ein erhöhte Risiko besteht, schwanger zu werden.  In diesen Teststreifen sind jedoch geringe Mengen Rinderprotein als Reaktor enthalten.

Selbst bei der Verwendung von Kondomen und Diaphragmen ist Vorsicht angebracht. Bei der Herstellung von Kondomen wird Casein verwendet, ein Milchbestandteil. Eine vegane Ausnahme stellen Kondome von „Glyde Health“ dar, sie kommen mit pflanzlichen Ersatzstoffen aus und tragen das Prüflogo der Vegan Society. Ebenfalls caseinfrei ist das kostspieligere Kondom „Avanti“, welches aus hauchdünnem Polyurethan hergestellt wird. Ein Kompromiss wird spätestens bei Verwendung von Gleitmitteln und -Beschichtungen fällig: Sie enthalten oft tierisches Glyzerin.

Das gleiche gilt für herkömmliche Diaphragmen, ausgenommen sind lediglich Produkte aus Silikon (zB Caya oder auch das klobige LEA Contraceptivum). Das Problem sämtlicher Diaphragmen ist jedoch das gleichzeitig zu benutzende Gel. Hier wurden in den letzten Jahren natürliche Gels auf Milchsäurebasis anstelle der sonst üblichen Gels mit Spermiziden Nonoxynol auf den Markt gebracht. Aus veganer Sicht stellen sie keine Alternative dar, alle Gels werden vor der Zulassung weiters in Tierversuchen getestet.

Hormone: Eingriff in den natürlichen Biozyklus

Aus veganer Sicht sind Verhütungsmittel, die mit Hilfe von Tierversuchen entwickelt wurden, von vornherein ausgeschlossen. Dazu gehört beispielsweise die Pille, die eine sehr wirksame Verhütungssicherheit gewährleistet. Sie ist aber nicht nur in Tierversuchen entwickelt und stellt einen großen Eingriff in den natürlichen Biozyklus dar, meist enthält sie auch Laktose. Einzige Ausnahmen sind die laktosefreien Pillen Maxim und Enriqua (Jenapharm). Auf Grund der Hormone werden auch die Drei-Monats-Spritze, der Verhütungsring (verbleibt drei Wochen lang in der Scheide) sowie das Hormonpflaster abgelehnt.

Die Spirale mit Hormonen bzw. mit Kupfer gilt als eine der wirksamsten Methode und ist aus diesem Grund auch weit verbreitet. Die Hormonspirale ist – wir ahnen warum – aus zweierlei Gründen problematisch: Sie gibt eine (sehr geringe) Menge Hormone ab und manipuliert damit den natürlichen Zyklus der Frau. Ein Grund, diese Verhütungsmethode abzulehnen, ist aber auch das Metall im Körper, das Frauen ablehnen.“

Am ehesten entspricht noch die Kupferspirale veganen und ökologischen Anforderungen. Allerdings führt diese bei einigen Frauen zu stärkeren Blutungen, sowie zu Schmerzen“, so Fiala. Sein Fazit: „Streng vegan, ökologisch und dabei wirksam verhüten ist nicht möglich, hier muss man sich entscheiden.“

 

 

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