Verhütung: Wissenslücken schließen

**Anlässlich des Weltverhütungstages am 26. September informierten meinungsraum.at und die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) über eine Umfrage zum Thema Verhütung und stellten den neuen Verhütungskoffer "Deluxe" vor. Auch wenn sich die ÖsterreicherInnen gut informiert fühlen, deckte die Studie große Wissenslücken auf: Ein Drittel der Österreicher hat schon Probleme, drei Fragen zur Thematik korrekt zu beantworten.

Petra Bayr & Laura Schoch: Aufklärung ausbaufähig / Credit: ÖGF/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Gefährliche Wissenslücken

Petra Bayr, Thorsten Graf, Laura Schoch und Roswitha Wachtler präsentieren den neuen Verhütungskoffer "Deluxe" / Credit: ÖGF/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Petra Bayr, Thorsten Graf, Roswitha Wachtler und Laura Schoch präsentieren den neuen Verhütungskoffer „Deluxe“ / Credit: ÖGF/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Gleichzeitig fühlen sich acht von 10 Befragten zum Thema Verhütung gut informiert. Ein Fünftel der Befragten kann jedoch die fruchtbaren Tage der Frau nicht definieren. Einer aus zehn denkt, die Pille schütze auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten – ein gefährlicher Irrtum. Bei 43 Prozent der Befragen gab es in den letzten fünf Jahren mindestens eine Verhütungspanne.

Auch bei der „Pille danach“ sind die Wissenslücken groß. So wussten nur knapp über 1/3 der Befragten, dass man diese rezeptfrei in der Apotheke erhält. „Zwei Drittel sind der Meinung, dass die ‚Pille danach‘ wie ein Schwangerschaftsabbruch wirkt. Tatsächlich kommt es durch die ‚Pille danach‘ zu gar keiner Befruchtung“, so Meinungsforscherin Roswitha Wachtler.

Die Bundesjugendvertretung fordert nun eine konsequente Schulung des pädagogischen Personals. „Sexualpädagogik sollte schon im Kindergarten beginnen“, so die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung Laura Schoch, denn Sexualität sei ab Geburt „da“ und müsse sich entwickeln können. „Im europäischen Vergleich schneidet Österreich im Zugang zu Verhütungsmitteln schlecht ab“, so Schoch, sie fordert daher kostenlose Verhütungsmittel für Jugendliche. Sie weiß jedoch: „Der Umgang mit Sexualität in einer Gesellschaft ist eine politische Frage. Wir wissen, es sind nicht Jugendliche, denen ihre Sexualität unangenehm ist, es sind leider Erwachsene, die sich mit diesem Thema schwertun.“

In Österreich gibt es zwischen den Bundesländern große Unterschiede in der Aufklärung der Jugendlichen. So ist die Kluft zwischen Stadt und Land groß, denn der Zugang zu professioneller Beratung erfordert am Land eine höhere Mobilität als bei Jugendlichen in der Stadt, wo es auch ein größeres Spektrum an Möglichkeiten gibt. Ebenso gibt es ein Ost-/West-Gefälle, was die Dichte an Beratungseinrichtungen und personellen Ressourcen betrifft.

Der Verhütungskoffer „Deluxe“

Dr. Thorsten Graf / Credit: ÖGF/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Dr. Thorsten Graf / Credit: ÖGF/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung stellte im Zuge der Pressekonferenz den neuen Verhütungskoffer „Deluxe“ vor. Bereits seit den 80er Jahren wird der Koffer von Lehrkräften und Jugendzentren verwendet, um Jugendlichen Verhütungsmethoden näherzubrignen. Die neue ‚Edition‘ wurde nun mit einem Diaphragma, einem Femidom und einem Kondom-Demonstrator aus Holz erweitert.

„87 Prozent aller Teenagerschwangerschaften sind ungewollt und werden zu 25 Prozent erst deutlich jenseits der 20. Schwangerschaftswoche diagnostiziert – dies ist begründet durch die Verdrängung sowohl durch die Jugendlichen als auch dir die Ärzteschaft“, so Dr. Thorsten Graf, ÖGF-Vorstandsmitglied und Facharzt für Frauenheilkunde. „Nur durch professionelle Sexualaufklärung, Schaffen eines von Kindheit an erlernten positiven Körperbewusstseins und eines vom Sozial- und Bildungsgrad unabhängigen Zugangs zu Information, Aufklärung und Verhütungsmitteln lassen sich ungewollte Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten, aber auch Missbrauch, Mobbing, Ess-Störungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch minimieren“, so der Experte weiter.

„Bildung ist der Schlüssel“

Das Wissen über und der Zugang zu Verhütung ist ein globales Problem. UN-Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit mehr als 200 Mio Frauen effektive Verhütungsmethoden verwenden möchten, aber keinen Zugang dazu haben. „Ungewollte und Risikoschwangerschaften sind ebenso die Folge wie unsichere Schwangerschaftsabbrüche“, so die Entwicklungssprecherin der SPÖ, Petra Bayr. Noch immer sterben jährlich 287.000 Frauen während ihrer Schwangerschaft oder der Geburt ihres Kindes. 99 Prozent davon betreffen Frauen in Entwicklungsländern. Eine Zahl, die einfach reduziert werden könnte, so Bayr: „Durch Betreuung während der Schwangerschaft und bei der Geburt.“

Hier gibt’s mehr Infos: 

Zur Studie: meinungsraum.at

Der Verhütungskoffer „Deluxe“ ist ab sofort unter www.oegf.at für einen Unkostenbeitrag von 115 Euro erhältlich.

 

 

 

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