Warum Männer 2.000 € für eine Nacht bezahlen

Vanessa Eden war eine der teuersten und exklusivsten Escortladys – sie kennt das Business, die Klischees und Vorurteile, die Männer, die sie buchten, die Frauen, die sie kritisch beäug(t)en. Wer ein flottes Lesevergnügen a la „Belle de Jour’s Intimate Adventures“ erwartet, wird aber enttäuscht: Das Buch ist eine sehr ernsthaft betriebene Aufarbeitung zu Liebe, Leiden(schaft), Sexualmoral – und Sexarbeit.

Vanessa Eden/Egoistin Verlag e.K.

Vanessa Eden war eine der exklusivsten Escortladys – sie kennt das Business, die Vorurteile, und die Männer, die sie buchten. Wer ein flottes Lesevergnügen a la „Belle de Jour“ erwartet, wird aber enttäuscht: Das Buch ist eine ernsthaft betriebene Aufarbeitung zu Liebe, Leiden(schaft), Sexualmoral – und Sexarbeit. Die literarische Reise beginnt bei den historischen Wurzeln der Sexarbeit und geht bis zu den Klischees, die nicht nur dieser Branche, sondern Sexualität generell anhaften. 

Die Heilige, die Hure

Frau_HureDas Wort „Doppelmoral“ kommt in diesem Buch recht häufig vor. Die weibliche Verführung und die Angst davor, die Verbindung mit Sünde: „Die Heilige kann es nur geben, wenn es die Hure gibt, die sich der unbefriedigten Bedürfnisse annimmt. Man spaltet das Wesen der Frau in diese beiden Teile, so wie man den Körper von der Seele versucht(e) abzutrennen.“ Die Heilige wird auf den Sockel gehoben, die Hure erniedrigt. Sexualität wird als etwas Schmutziges wahrgenommen – um sich von diesem Schmutz zu befreien, personalisiert man ihn in der Hure, um ihn anschließend dort bekämpfen zu können.

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Vanessa Eden

Vanessa Eden

Der Eros wurde vom Sexus getrennt, der Mensch ist in seinen sinnlich erotischen Fähigkeiten verkrüppelt: Sämtliche die Erotik betreffenden Fähigkeiten, wie Sinnlichkeit, Verführung, Hingabe, Leidenschaft und Genussfähigkeit sind Männern wie Frauen abhanden gekommen. Das beste Zeugnis dafür, so die Autorin im Buch, ist die moderne Pornoindustrie. Auch die rechtlichen Entwicklungen, die Prostitutionsgesetze, sind Zeuge dieser gesellschaftlichen Ächtung – lange war die Sexarbeit sittenwidrig, der Zugang zum sozialen Sicherungssystem verwehrt. Von einer Verbesserung der Lage kann jedoch kaum die Rede sein – die unterschiedlichsten Regelungen auf Bundesländerebene sorgen auch in Österreich für einen rechtlichen „Fleckerlteppich“, die Abschaffung der Sittenwidrigkeit ist noch nicht mit Leben gefüllt.

(Eigen-) Verantwortung übernehmen

Abseits dieser analytischen Einführung in die Welt der Sexualität geht Vanessa Eden auf die Feinheiten des Business ein. Welche unterschiedlichen Leistungen bieten Bordell, Laufhaus, Saunaclub; was ist der Unterschied zwischen Callgirl, Escortdame und Kurtisane? Die Kunst der Erotik, der Unterhaltung, der Ver- und Enthüllung, der Inszenierung – was muss ein Escort mitbringen, um erfolgreich in diesem Job zu sein?

„Um Erotik zu einer Kunst werden zu lassen … erfordert es Geist, Freiheit, Einfallsreichtum, Geschick, Talent, aber vor allem Liebe – auch und gerade zum Detail, vor allem aber sich selbst gegenüber. … Erotik ist mit allen Sinnen spielend, begehrend, hingebend, nehmend, lachend, fantasievoll … „

Zur Selbstliebe und zum Selbstwert gehört, so die Autorin, aber auch das Setzen von Grenzen – Durchsetzungsvermögen gepaart mit Artikulationsfähigkeit, um auch in Konfliktsituationen einen kühlen Kopf zu bewahren: „Angst ist der schlechteste aller Ratgeber.“

Vanessa Eden war in ihrer aktiven Zeit immer selektiv in der Auswahl ihrer Kunden, und war in der Position, ihre eigenen Regeln umzusetzen. So sind ihre Ratschläge, was das erste Date oder auch die Escortagenturen betreffen, immer von einem Selbstbewusstsein und einer Selbstbestimmtheit geprägt.

Fazit: Ein intelligent geschriebenes, sehr persönliches Buch, das Sexarbeit mit einer enormen Professionalität beschreibt. Vanessa Eden gibt mit ihrem Insiderwissen intime Einblick in die Branche, abseits schmuddeliger RTL2-Reportagen. Sehr detailliert und mit Tiefgang beschäftigt sie sich mit Liebe, Treue, Sexualmoral und allen Wirrnissen, mit denen Frauen und Männer heute zu kämpfen haben. So ist das Buch auch ein Ratgeber für Frauen, die sich mit ihrer Sexualität und ihrer Erotik auseinandersetzen möchten. 

Hier geht’s entlang:

Vanessa Eden: „Warum Männer 2.000 € für eine Nacht bezahlen“
Egoistin Verlag

P.S.: Mit dem Buch unter dem Arm durch die Stadt zu gehen, war eine ganz neue Erfahrung 🙂

1 Kommentar zu Warum Männer 2.000 € für eine Nacht bezahlen

  1. Hallo,
    ja, das Buch ist empfehlenswert für alle, die dieses Thema interessiert. Mich hat es interessiert und ich fand es zutreffend.
    Kompliment !
    sonnige Grüße
    Ines

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  1. Sexarbeit: Podiumsdiskussion mit BM Gabriele Heimisch-Hosek - lebe lieber sinnlich

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