Erotische Literatur hatte es nicht leicht: Ähnlich wie beim Kauf einer Packung Kondome in der Drogerie des Vertrauens wurde das literarische Werk möglichst unauffällig zur Kasse getragen - in der Hoffnung, es möge niemandem auffallen. Buchhandlungen wie KundInnen taten sich gleichermaßen schwer, Erotikbücher wurden daher nur schleppend über die üblichen Vertriebskanäle verkauft. Sexshops waren ebenso keine Alternative: waren diese lange Jahre vor allem eine männliche Domäne, ist erotische Literatur für die weibliche Zielgruppe von Interesse. Dementsprechend schwer taten sich Verlage, Vertriebslösungen für diese Werke zu finden.
Interessant war in diesem Zusammenhang daher die Meldung des britischen Verlags XCitebooks: Durch ihre Diskretion haben E-Books die erotische Literatur vorangetrieben. Das weibliche Klientel bevorzugt die diskrete Online-Suche; und wer sich so richtig geniert, kann nach vollzogenem Lesegenuss auf die “Delete” - Taste drücken, damit auch alle Beweise für immer entschwinden.
Ein Print-Titel scheint nun generell alles zu ändern: “Since ‘Fifty Shades of Grey’ started to top the bestseller lists, ebook sales have undergone a very large increase and made erotic literature more publicly acceptable”, so Manager Peter Ferris vom britischen Verlag Accent Press. Denn auch wenn die Qualität des böserweise “Mummy Porn” genannten Werks so manchem Kritiker verbesserungswürdig erscheint, dürfen die Wirkungen auf den Markt nicht unterschätzt werden:
- Die Trilogie soll mit März 2013 weltweit geschätzte 70 Mio Mal verkauft worden sein. Ein unglaublicher Erfolg für ein Werk dieses Genres.
- Als erstes Softporno-Werk wird “Shades of Grey” in Buchhandlungen und auf Literaturmessen prominent ausgestellt. Auch das ist ein Novum in der Historie der erotischen Literatur.
- Sexshops verzeichnen einen Umsatzwachstum bei Handschellen & Co., sadomasochistische Sexpraktiken feiern den Einzug in die Schlafzimmer. ‘Shades of Grey’ ist damit das ‘Sex and the City’ der SM-Szene.
- Die Website Netmums.com belegte in einer Umfrage unter ihren britischen LeserInnen die aphrodisische Wirkung der Soft-SM-Trilogie: Befragte Paare hatten nach Lektüre nicht nur öfter und länger Sex, die inspirierende Wirkung zeigte sich auch an den variierenden Sex-Positionen.
Aber brauchen wir die Inspiration aus Drehbüchern von anderen? Wie erkundet ihr eure Phantasien, abseits der Vorgaben der Pornoindustrie? Postet eure Eindrücke, oder sendet sie diskret an [email protected]