2 September 2025
14:02



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Natasha Walter: Living Dolls

by Anja Herberth

Credit: Krüger Verlag

Warum wollen junge Frauen lieber schön als schlau sein? Es dominieren künstliche Bilder weiblicher Schönheit - sie sind für die Autorin Natasha Walter heute mächtiger und einengender denn je. Sexuelle Anziehungskraft war immer schon ein natürlicher Wunsch, es wird aber eine sehr eng definierte Sicht weiblicher Sexualität auf den Sockel gehoben.Diese Idealvorstellung wird seitens Werbung, Musik- und Filmindustrie, TV und Zeitschriften kommuniziert - ihren Ursprung hat dieses Bild laut Natasha Walter in der Sexindustrie.

Waren Pornografie, Sexshops und Tabledance-Clubs früher eine kleine Nische, so hat sich die Sexindustrie heute inmitten der Gesellschaft etabliert. Die Werbeindustrie sieht in “Sex sells” immer noch eine gültige Aussage, und Prostitution wird in den Memoiren einiger Sexarbeiterinnen als Möglichkeit betrachtet, die Sexualität frei ausdrücken und dabei eine Menge Geld verdienen zu können. Die (teilweise) Aufklärung von Jugendlichen über Pornografie und dessen Omnipräsenz hat ästhetische Maßstäbe gesetzt. Glamour Modeling ermutigt Frauen, sich für Männermagazine auszuziehen, um die Karriere anzukurbeln. Frauen kommunizieren Hand in Hand mit Männern ein enthaartes, bestringtes Bild weiblicher Sexualität.

Wir sind heute zumindest auf den ersten Blick so frei wie noch nie zuvor - aber wie frei sind diese Entscheidungen tatsächlich? So gibt es immer noch keine echte, materielle Gleichstellung von Männern und Frauen; Frauen haben immer noch nicht die gleiche politische Macht, wirtschaftliche Gleichberechtigung oder das gewaltfreie Leben. Die Integration der Porno-Industrie fällt des weiteren in eine historische Phase, in der weitaus weniger soziale Mobilität stattfindet als in früheren Generationen. Das kommunizierte Bild, dass jede Frau Prestige hinzugewinnen kann, wenn sie bereit ist, ihren Körper zur Schau zu stellen, fällt daher auf fruchtbaren Boden. Ganz so, als ob dies der einzige und einfache Weg sei, zu ‘Reichtum’ zu kommen. Die permanente mediale Diskussion dieses Rollenmodells führt dazu, dass die Wahlmöglichkeiten der Frauen scheinbar schrumpfen bzw. verzerren.

Fazit: Natasha Walter gibt einen umfassenden Einblick in Rollenmodelle, Klischees und Stereotype in unserer Gesellschaft und umreißt die Auswirkungen auf Frauen und ungesunde Körperideale. Spannend ist ihre Analyse des biologischen Determinismus, der die Unterschiede zwischen Mann und Frau einzementieren möchte - mit Hilfe der Wissenschaft.

Was leider zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass Körperideale nicht erst seit heute existieren und auch Männer davon betroffen sind. In ihrer Analyse fehlt außerdem der Link, warum einzig die Pornoindustrie am Vormarsch der Softpornografie zB in der Werbung und an diesem eng definierten Körperideal schuld sein soll. Medien sind immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft und kein One-Way-Ticket für Manipulation. Trotz allem ein lesenswertes Buch, das man jedoch in manchen Bereichen hinterfragen sollte.

Natasha Walter: Living Dolls
Krüger Verlag, 2. Auflage, März 2011

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Artikel von Ö1 zum Buch: Lieber schön als schlau?