Etwa ein Drittel der 70.000 Menschen, die in Deutschland mit AIDS leben, haben bereits das 50. Lebensjahr erreicht. Nun widmet sich die Studie 50plushiv diesem neuen Phänomen: Altern mit HIV wirft viele Fragen auf. Denn der medizinische Fortschritt macht es möglich: Heute leben die meisten Menschen mit HIV ein Leben, das weitgehend frei von gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist.
So steht im Gegensatz zur Anfangszeit der HIV-Epidemie nicht mehr die Todesdrohung im Mittelpunkt des Lebens, sondern die alltäglichen Sorgen und Herausforderungen. Werden HIV-Infizierte antiretroviral behandelt, wird ihnen heute eine Lebenserwartung von 75 Jahren prognostiziert. So wird in den USA für das Jahr 2015 erwartet, dass die Hälfte der HIV-Infizierten 50+ sein wird. Verstärkt wird dieser Trend durch den Umstand, dass in den letzten Jahren der Anteil derer, die erst im höheren Lebensalter infiziert werden, leicht im Steigen begriffen ist.
Das “Ergrauen” der HIV-Epidemie
Aus medizinischer Sicht ist nun vorallem interessant, wie die HIV-Infektion den Alterungsprozess beeinflusst. Wird er beschleunigt, welche typischen Alterserkrankungen treten früher/häufiger auf und warum? Wie reagiert das alternde Immunsystem auf die antiretroviralen Medikamente? Parallel sind auch psychosoziale Aspekte für die Betroffenen wichtig: Wie will ich im Alter leben, wenn mein Unterstützungsbedarf größer wird? Habe ich ausreichend dafür vorgesorgt? Wie bewältige ich die psychischen Belastungen, wo bekomme ich Hilfe und Unterstützung?
Auch für Aidshilfen und andere Selbsthilfe-Einrichtungen sind diese Bedürfnisse von essentiellem Interesse: Sind diese Institutionen auf die Bedürfnisse der immer größer werdenden Gruppe von älteren Menschen mit AIDS eingestellt? Welche Angebote werden benötigt; ist das Gesundheitssystem darauf vorbereitet? Wie sieht es mit Senioren- und Pflegeheimen aus? Können diese Organisationen auf die Bedürfnisse und Lebenslagen dieser Menschen eingehen?
Die Studie
Die Studie wird, um eine möglichst genaue Beschreibung der aktuellen Situation sowie der Herausforderungen formulieren zu können, in zwei Herangehensweisen durchgeführt. Mit der breit angelegten Fragebogenstudie sollen möglichst viele der in Deutschland lebenden HIV-positiven Menschen angesprochen werden; in einer Interviewstudie sollen vertiefende Gespräche mit einer kleineren Anzahl an TeilnehmerInnen durchgeführt werden - nicht nur mit den Betroffenen selbst, sondern auch mit Experten.
Mehr Informationen findest du hier: Studie 50plushiv