Rund um die weiblichen Brüste existieren mannigfaltige Hypothesen zu ihrer Funktion - und werden auch wieder verworfen. Das Buch “Brüste” von der Sex-Kolumnistin Paula Lambert und Helmut Ziegler geht den Mythen, Studien und Debatten auf den Grund und präsentiert eine gelungene Melange an Fakten, Skurillem und wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um die weiblichen sekundären Geschlechtsmerkmale, von denen eine so unglaubliche Faszination ausgeht.
“Brüste gehören nicht nur der Frau alleine”
Für manche sind Brüste lediglich Staffage - hübsch anzusehen, aber bis auf ihre nährende und ästhetische Funktion ohne eigentlichen Wert. Desmond Morris, bekannt für seine fantasievollen biologistischen Theorien, wiederum scheint zu wissen, dass es sich um eine entwicklungsgeschichtlich notwendige Nachahmung der Pobacken handelt. Frühe Überlegungen gingen sogar davon aus, dass Brüste eine gewisse Größe haben müssten, damit Frau beim Stehen nicht das Gleichgewicht verliert. Und es wird wohl nicht verwundern, dass auch die Theorie, dass in einer rund geformten Brust die Milch besser warmgehalten werden kann, verworfen wurde.
Brüste sind nicht nur ein Symbol der Weiblichkeit, sondern immer auch eine Projektionsfläche dafür, welche Schönheitsideale gerade gültig sind. So entwickelte die Kulturwissenschaftlerin Marilyn Yalom die Metapher von den Brüsten als “öffentliche Plakatwand” - auf der die kulturellen, religiösen, modischen und politischen Strömungen ihre ‘Zeichen’ hinterlassen. Brüste, so Yalom, gehören demnach nicht der Frauen alleine, sondern auch der männlichen Lust und den hungrigen Säuglingen. Sie gehören den Kirchen, die über ihre moralzersetzenden Wirkung wachen, den Modemachern und Medien, und den PolitikerInnen, die Frauen auf die Mutterbrust reduzieren oder sie von der “Last der Brüste” befreien wollen.
Sie gehören aber auch der Wissenschaft: Die Muttermilchforschung wurde lange Zeit vernachlässigt, bis australische Wissenschaftler nachweisen konnten, dass durch die Muttermilch mindestens drei Arten Stammzellen an das Baby weitergegeben werden. Unternehmen wie Nestlé oder Monsanto halten nicht umsonst bereits über 600 Patente beim amerikanischen Patentamt, die Bestandteile oder genetische Strukturen von Muttermilch enthalten.
Brüste sind skandalös, spektakulär - die weibliche Brust wird zur Schau gestellt und in Szene gesetzt, um den Voyeur zu befriedigen, Tabus zu brechen, das Mütterliche herauszustreichen oder einfach nur, um aufzuklären. Den beiden Autoren gelingt mit dem Buch ein umfassender Streifzug durch Geschichte, Kultur und Wissenschaft; ein vielseitiger Blick auf diese faszinierenden, sekundären Geschlechtsmerkmale.
Brüste. Das Buch
Paula Lambert (Hrsg.) & Helmut Ziegler
Verlag Rogner & Bernhard