Hygiene entscheidet über Leben oder Tod, etwa im medizinischen Bereich. Heute hat sich aber auch eine regelrechte Hygiene-Industrie entwickelt. Manfred F. Berger analysiert in seinem Buch, wo Hygiene heute noch ausbaufähig wäre, und wo sie einer Hysterie entspringt - es geht um das Finden des berühmten “Mittelmaßes”, um Antworten für den Alltag. Warum wir rezensieren? Sex hat mit Schweiß und diversen anderen Körpersäften zu tun - und so sind ein paar Daten durchaus spannend.
So gibt es neuere, medizinische Erkenntnisse, dass der Körper mit dem Schweiß eine Art natürliches Antibiotikum produziert, weshalb die übertriebene Reinigung genauso kontraproduktiv ist wie die zu lasche Körperhygiene. Vor allem Frauen reagieren stärker auf den Faktor Hygiene, für Autor Berger dürfte dies “noch immer am klassischen Rollenbild liegen, indem die Frau für die ‘Wäsche’ zuständig ist.” Aber: “Der Bereich Hygiene in der Erotik wird speziell in Ländern wie Österreich, Deutschland oder der Schweiz mit Sicherheit ausgeblendet, darüber spricht man nicht gerne. Denn beispielsweise findet sich das Bidet in vielen südlichen Bädern wieder und es findet erst langsam den Einzug in unsere Bäder.”
Helene Karmasin geht auch auf die “moralische” Sauberkeit ein, so Dr. Berger: “Helene Karmasin zitiert hier auch immer wieder das ‘Fremde’, vor dem wir Angst haben, weshalb ich persönlich grundsätzlich für eine offene Diskussion plädiere, damit Themen wie die Integration, Prostitution, Drogen etc. nicht in einer Stadt je nach Reichtum eines Viertels verschoben, sondern bewusst angesehen werden. In einer globalisierten Welt die einzige Chance aus meiner Sicht.”
Fazit: Sex hat mit Körperhygiene, moralischer Sauberkeit, Schweiß und Körpersäften zu tun - Manfred F. Berger zeichnet ein realistisches Bild unserer Zugänge zu Hygiene und gibt Antworten, wie wir ein vernünftiges Mittelmaß erreichen können. Pointiert zeigt es geschichtliche Zusammenhänge auf - die Badehäuser speziell des Hochmittelalters waren ja nicht nur den Badefreuden gewidmet…
Manfred F. Berger
Hysterie Hygiene?
152 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen
Link zum echomedia buchverlag
Also ich finde schon, das die heutigen Männer mindestens genau so viel Hygieneprodukte zu Hause haben wie eine Frau. Wo früher noch ein Rasierschaum und Deospray zur “Männerhygiene” gehörten, sind jetzt auch Gesichtscreme, Lippenbalsam und Parfüm dabei. Noch nie gab ein Mann so viel Geld für Beautyprodukte aus wie jetzt. Und Intimrasuren! Wo früher noch das Motto “Bush the Botton” galt, ist es jetzt gemähte Wiese.- Und das nicht nur bei Frauen