12 November 2025
22:22



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Kalifornien: Bizarres Politikum rund um “Safety First” in Pornofilmen

by Anja Herberth

Credit: Shutterstock

Es ist noch nicht so lange her, da wurde der Gesetzesvorschlag “AB640″ im kalifornischen Senat abgedreht. Dieser hatte die Benutzung von Kondomen bei vaginalem und analem Sex und weitere Maßnahmen zur Gesundheit und Sicherheit von PornodarstellerInnen vorgesehen. Lars Rutschmann, für PR und Marketing beim Schweizer Porno-Unternehmen Magmafilm verantwortlich: “Dieser Gesetzesvorschlag wurde auf unbestimmte Zeit vertagt, da der Staat Kalifornien zu wenig Geld für die Umsetzung hat.” Nun überrascht ein weiterer Vorstoß: In einem aktuellen Vorschlag zum kalifornischen Worker Safety Bill sollen PornodarstellerInnen nun angehalten werden, Augen, Mund und Genitalien zu schützen. Das würde also unter anderem das Tragen von Sicherheitsgläsern bedeuten.

Politik - oder Sorge um das Wohl der DarstellerInnen?

Kalifornien galt lange als das Mekka der Pornobranche, das ändert sich jedoch, seit die Politik den Sektor reglementieren will. Auch wenn es gilt, die DarstellerInnen vor Geschlechtskrankheiten und HIV zu schützen, muten die nun geforderten Maßnahmen seltsam an - denn sie bringen nichts.

Die Begründung an sich ist korrekt: Das Kondom schützt nicht vor allen Übertragungswegen, die Geschlechtskrankheiten und HIV nehmen können. Die Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Körper; Geschlechtskrankheiten können beispielsweise auch im Mund oder in den Augen ihren Anfang nehmen. Trotzdem ist die Verwendung eines Kondoms eine wichtige und sinnvolle Maßnahme, die das Risiko einer Ansteckung reduziert.

Als 2004 in der Pornoindustrie auf Grund von HIV-Infektionen die Verwendung von Kondomen promotet wurde (der Darsteller Darren James infizierte mehrere Filmpartnerinnen), währte die Entwicklung nur kurz: So verkaufen sich Pornos, in denen Sex mit Kondomen praktiziert wird, schlechter als Filme, in denen die DarstellerInnen Kondome verwenden, argumentierten die Produzenten. Bliebe nur noch eine teure Entfernung des Kondoms in der Post-Produktion des Films - in Folge restriktiver Budgetpolitik ist nicht daran zu denken. Die Folge: Es werden viele Pornos ohne schützendem Kondom produziert. Die Branche setzt nun auf medizinische Tests, die DarstellerInnen müssen alle 14-28 Tage ihre Gesundheit attestieren. Darren James’ Anwalt brachte es in einem Interview auf den Punkt: “It’s a system that has damage control, but not prevention.”

Ein Zustand, der nicht hinnehmbar ist - es mutet aber nun seltsam an, dass eine Gesetzesvorlage scheitert, die zur Verwendung von Kondomen verpflichten will, und nun eine weitere Vorlage die Verwendung von Sicherheitsgläsern vorschreiben soll. Ein gesetzlicher Vorstoß, der nichts bringen wird, wie Lars Rutschmann ausführt: “Die Unternehmen wandern einfach ab, nach Montreal oder Las Vegas.” Denn wenn sich bereits Filme, in denen Kondome verwendet werden, schlechter verkaufen, stellt sich die Frage, ob KundInnen den erotischen Kick einer Sicherheitsbrille nachvollziehen können. Vermutlich eher nicht - die Unternehmen werden abwandern: Anderer Bundesstaat, andere Regeln. Es ruiniert die Pornobranche in Kalifornien, “es wird dadurch aber nicht weniger Pornografie produziert”, so Rutschmann.

So bleibt es nun eine politische Initiative, die entweder andere Ziele hat als sie vorgibt, oder die schlichtweg zum Scheitern verurteilt ist. Die simple Akzeptanz und Verwendung von Kondomen zu fördern wäre bereits ein sinnvolles Ziel - und zwar ganzheitlich: natürlich bei Pornodarstellerinnen und -ProduzentInnen, aber vor allem auch bei den KonsumentInnen. Denn die Akzeptanz von Kondomen sinkt, seitdem sich die Behandlungsmöglichkeiten für HIV dramatisch verbessert haben. Auch ist das Wissen rund um Geschlechtskrankheiten, wie man sie bekommt und erkennt, mangelhaft. Um das zu ändern, gibt es beispielsweise in der Schweiz seit vielen Jahren eine herausragende Kampagne, die sich der Kommunikation dieses Tabuthemas widmet. Sie integriert HIV und andere Geschlechtskrankheiten, im Gegensatz zu vielen anderen Kampagnen. Denn die Tendenz ist klar erkennbar: Geschlechtskrankheiten sind in unseren Breitengraden nach einem Rückgang wieder auf dem Vormarsch.

Links:

New York Daily News: Draft of California bill would mandate porn stars wear protective eyewear like goggles during filming

abc News: Porn Industry Still Struggles With Condom Issue

Huff Post L.A.: California’s Condoms In Porn Bill Dies In Senate