Stopline, die österreichische Meldestelle gegen Kinderpornografie und Nationalsozialismus im Internet, lud zur Jubiläumsveranstaltung in das Wiener Museumsquartier, um mit Experten Strategien zu diskutieren: Wie müssen zeitgemäße Ansätze im Kampf gegen Kinderpornografie aussehen? Heuer, so befürchtet Stopline-Leiterin Dr. Barbara Schloßbauer, versprechen die Meldungen, die bis April eingegangen sind, einen neuen Höchststand.
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Zeitgemäße Ansätze finden
Die Meldungen zu Kinderpornografie boomen nach einem Rückgang 2011 und 2012, das Jahr 2014 könnte - bewertet nach der Anzahl der bereits eingegangenen Meldungen - zu einem neuen Rekordstand führen. Über die Gründe für diese Entwicklung können die Experten nur spekulieren, Dr. Barbara Schloßbauer nannte in diesem Zusammenhang den Begriff “Kaffeesudlesen”.
Spannend sind in diesem Zusammenhang aber ein paar Fakten: Waren Kinderpornografie-Seiten im Netz eher kommerziell geprägt, so hat sich dies gewandelt. 85 Prozent der Webseiten sind heute nicht kommerziell und dienen lediglich dem Tausch. Damit werden die Materialien selbst zur Währung - gib mir Material, dann bekommst du im Gegenzug etwas von mir.
Kinderpornografische Inhalte werden aber schon lange nicht mehr nur durch finstere Gestalten im russischen Hinterland produziert. Etwa 50 Prozent (!) der illegalen Inhalte werden durch Sexting verursacht. Sexting ist das Tauschen und Verbreiten erotischer Fotos und Videos, das bei Jugendlichen zur Zeit “in” ist. Ob freiwillig als “Liebesbeweis” oder auch unter Druck versandt: Die Materialien kursieren anschließend im Netz, werden von Handy zu Handy von den Jugendlichen weiterverbreitet.
Medienaffin, aber nicht medienkompetent
Damit zeigt sich, dass sämtliche technischbasierten Lösungen an der Aufgabenstellung vorbeigehen würden. Jugendliche sind medienaffin, aber leider nicht medienkompetent: Sie erhalten in der Schule kaum Schulung zu sexueller Kompetenz oder Medienkompetenz. Dabei wäre die Schule der logische Platz dafür, wie Mag. Barbara Buchegger von saferinternet.at und Mag. Kathrin Lankmayer von ECPAT Österreich ausführen. Die Rahmenbedingungen dafür wären gegeben, die Lehrpläne enthalten “digitale Kompetenz”. Es stellt sich jedoch die Frage, WER es tun soll - Budget ist dafür meist nicht oder nur in homöopathischen Dosen vorhanden.
Jugendliche sind sind auch meist nicht bewusst, kinderpornografische Inhalte zu produzieren und zu verteilen. Im jugendlichen Unrechtsbewusstsein rangiert dieses Verhalten vor allem unter “Bagatelldelikt”, so die Experten. Es irritiert sie beispielsweise, dass sie zwar Sex haben dürfen, aber keine Bildmaterial dazu, so Lankmayer. Sie plädiert dafür, die Sexualität von Jugendlichen anzuerkennen und ihnen das Ausleben zuzugestehen.
Birgit Satke, Leiterin von “147 Rat auf Draht”, weiß aus Erfahrung, dass Selbstkompetenz, das Wissen um Gefühle und emphatische Kompetenz, die Lage der Jugendlichen verbessert. Es ermöglicht ihnen, ein “Nein” zu kommunizieren. Je früher man ansetze, desto besser, so die Expertin, denn fast die Hälfte der unter 3jährigen haben bereits Kontakt mit sozialen Medien.
Mehr Infos zur sicheren Nutzung des Internets: www.saferinternet.at
Zu Stopline:
Stopline arbeitet nachfolgendem Prinzip: Es werden ausschließlich eingehende Meldungen bearbeitet, Mitarbeiter suchen selbst nicht nach illegalen Inhalten. Die meisten Meldungen gehen per Email ein und werden im Anschluss nach illegalen Inhalten überprüft. Grundlage der Bewertung ist § 207a Strafgesetzbuch. Oftmals sind Inhalte nicht illegal, wie beispielsweise Erwachsenenpornografie.
Sind Inhalte illegal und im Inland gehostet, so wird die österr. Exekutive sowie der Provider kontaktiert. Innerhalb weniger Stunden sind die Inhalte gesichert und aus dem Netz entfernt - der Provider wird ersucht, die Inhalte zu entfernen, damit diese nicht mehr aufgerufen werden können. Meist sind die Inhalte jedoch im Ausland gehostet, und hier wird das INHOPE Netzwerk aktiviert. INHOPE ist weltweite Zusammenschluss von Hotlines, die in den Ursprungsländern dann aktiv werden. Die häufigsten Herkunftsländer sind die USA (41%), Russland (25%) sowie die Niederlande (13%). Österreich ist mit lediglich 3 illegalen Meldungen im Jahr 2013 als Hosting-Land nicht attraktiv.