‘Chemsex’ bezeichnet den Sex unter dem Einfluss von Drogen, die unmittelbar vor und/oder während der sexuellen Begegnung eingenommen werden. Häufig sind dies Chrytal Meth, GHB/GBL, Mephedron und in geringerem Umfang Kokain und Ketamin. Britische Forscher untersuchten den Drogenkonsum schwuler Männer und haben in drei Londoner Bezirken mit hohem schwulen Bevölkerungsanteil eine (nicht repräsentative, aber Rückschlüsse erlaubende) Studie durchgeführt.
Die Studie beschäftigte sich mit dem sexualisierten Drogenkonsum unter schwulen Männern, die in Lambeth, Southwark und Lewisham wohnen. Sie soll die Motivationen, Bedeutungen und Werte in dieser Bevölkerungsgruppe identifizieren und daraus Empfehlungen für die Prävention erarbeiten - also wie man bei den Zielgruppen etwa das Verständnis für die möglichen Folgeschäden erhöht.
Überwindung von Problemen
Die sogenannten Chems wirken vor allem stimulierend: Sie beschleunigen den Herzschlag, erhöhen den Blutdruck und lösen euphorische Gefühle aus. Crystal Meth, GHB/GBL und Mephedron führen weiters zu verstärkter sexueller Erregung. Sie sorgen für längeren, vielseitigeren und gewagteren Sex, da diese Männer oftmals auch auf Drogen setzt, um Schwierigkeiten mit dem eigenen Selbstwertgefühl und dem sexuellen Selbstvertrauen zu überwinden. Die schlechte Nachricht: Diese Drogen können auch enorme Folgeschäden verursachen. Es besteht weiters die Gefahr einer Überdosis, da beispielsweise GHB/GBL in kleinen, zeitlich genau abgepassten Dosen eingenommen werden. So gab es in den letzten zwei Jahren eine Reihe von drogenbedingten Todesfällen unter homosexuellen Männern in den Londoner Clubs bzw. Live-Sex-Lokalitäten.
Chemsex ist ein vielfältiges und komplexes Phänomen, und es gibt kein einheitliches Muster dafür. Die genauen Verhaltensweisen der Männer und die Gründe für den Drogenkonsum sind vielfältig. Etwa ein Viertel der Teilnehmer an der Studie hatte immer noch das Gefühl, das Handeln kontrollieren zu können - ein Drittel der Befragten hatte bereits Schwierigkeiten damit und ging beim Verkehr Risiken ein.
Folgeschäden durchaus bewusst
Neben dem sexuellen Vergnügen sind sich die befragten Männer auch der möglichen Folgeschäden bewusst: Sie bringen Chems mit einer Reihe körperlicher, seelischer und sozialer Folgen in Verbindung. Während die meisten Teilnehmer ihren Drogenkonsum für unproblematisch hielten, wünschten sich viele Männer aber auch mehr Kontrolle über ihren sexuell motivierten Drogenkonsum.
Auch eine mögliche Überdosierung ist Thema: Mehrere Männer wurden in Folge einer Überdosierung bereits in das Krankenhaus eingeliefert, andere litten unter Panikattacken, Krämpfen und Bewusstseinsverlust. Sie berichteten auch über Paranoia, Angstzustände oder Aggressionen, andere von akuten manischen oder psychotischen Schüben. Chems nahm bei den Männern einen großen Zeitraum ein, sowohl was die Ausführung, als auch die Erholung angeht. Ein großer Teil der Befragten beklagte die negativen Einflüsse auf soziale Bindungen, Karrierefortschritte oder negative Beziehungsdynamik, die sie für Folgen des Drogenkonsums hielten.
Empfehlungen
Aus den Daten der Studie entwickelten die Autoren nun ein paar Empfehlungen:
- Reine Informationskampagnen über die Gefahren von Chemsex sind ihrer Meinung nach nicht hilfreich - nur wenige der Problemlagen, die das Forschungsprojekt offenlegte, lassen sich über Infokampagnen lösen.
- Sie empfehlen die Produktion und Verteilung von unterschiedlichsten Medien zur Harm Reduction (Schadensbegrenzung) für Drogenkonsumenten.
- Weiters empfehlen sie, den Zugang zu schwulenfreundlichen Drogen- und Sexualberatungsstellen für homosexuelle Männer zu erleichtern. Die Beratungsstellen sollten kompetent sein und zu den psychosozialen Aspekten homosexueller Gesundheit und den Folgeschäden von Chemsex beraten können.
- Die Autoren stellen eine koordinierte Zusammenarbeit mit Unternehmen & Managern von Sex-Clubs sowie Medien in den Raum - zur Erarbeitung von eindeutigen, schadensbegrenzenden Richtlinien und Vorgehensweisen zur Gesundheitsförderung.
Hier geht’s zur Chemsex-Studie: www.HIVreport.de