Wien’s frivole Geschichte(n)

Wien ist voller sündiger Geschichten und historischer Anekdoten. Wer näheres dazu erfahren will, hat in einer ganz besonderen Wien-Führung die Gelegenheit dazu.

Verlag: Amalthea

Sitte, Moral und Anstand - Wien ist voller sündiger Geschichten und historischer Anekdoten. Wer näheres dazu erfahren will, hat in einer ganz besonderen Wien-Führung die Gelegenheit dazu. Ganzjährig jeden Samstag, und von April bis Oktober auch jeden Dienstag, werden um 14 Uhr am Wiener Michaelerplatz die Uhren zurückgedreht in die Zeit der Josefine Mutzenbacher. Basis dieser Führung sind die Recherchen von DDr. Anna Ehrlich, Geschäftsführerin von “Wienführung”, die auch als Buch erschienen sind. “Am Dienstag kommen die Touristen, am Samstag die Wiener”, so Ehrlich im Interview.

Literarische Figur führt durch Wien

Seit 50 Jahren ist Anna Ehrlich im Stadtführungs-Sektor tätig, Probleme gab es mit der “Mutzenbacher”-Führung und den erotischen Ausflügen in Wien’s Historie nie. Durch kontinuierliche Medienberichterstattung hat sich die Auslastung immer mehr verbessert, so Ehrlich, nach ihrem Ausstieg fand sie “erstklassige Guides, die die Führungen weitermachten.”

“Josefine Mutzenbacher” ist eine literarische Figur aus einem Roman, der dem Bambi-Autor Felix Salten zugeschrieben wird. Ihre “Memoiren” enstanden im alt-ehrwürdige Café Griensteidl, die Geschichte ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Wenngleich Mutzenbacher nie existiert hat, so kannte Felix Salten und der Literatenkreis Jung-Wien Prostituierte und Damen aus der “Halbwelt”, die ihn dazu inspirierten.

“Mutzenbacher” steht in dieser Stadtführung für die frivole, und je nach Epoche auch verbotene Seite Wiens. Es ist ein Rundgang durch die Zeiten, die Wien prägten, eng verwoben mit Erotik, dem Laster und der Sünde.

Parallelen zum Heute

Generell erstaunen die Parallelen zur Jetzt-Zeit: Die Prostitution zu kontrollieren und als Einnahmequelle zu nutzen, war bereits im 14. Jahrhundert ein Thema. Sexarbeiterinnen wurden damals wie heute zu Sozialprojekten. Männer durften eine “freie” Frau heiraten und sie auf dem Weg der Tugend führen - aber wehe, sie kehrte in ihr altes Leben wieder zurück. Auch historisch betrachtet brachte ein Verbot der Prostitution nichts. Auf Grund des rasanten Bevölkerungszuwachses im 19. Jahrhundert trieb das steigende Elend immer mehr Frauen in die Prostitution, und trotz des Verbots war die Nachfrage groß, die Vermittlung mitunter trickreich. Teil dieser Geschichte ist etwa die Anbahnung der Geschäfte zwischen Dirne und Freier in der Kirche - was ebendiese dann doch einmal verbot.

Die “Mutzenbacher” ist aber auch eine Geschichte der Emanzipation, der Lebensfreude und der Aufklärung: Männer wie Frauen wehrten sich immer mehr gegen eine einschnürende Sexualmoral und gesellschaftliche Zwänge.

Für Freunde der einengenden Schönheitsideale sei das “Elefantenweiberl” ein wichtiger Hinweis: Auch “Venus von Kilo” genannt, hatte die sehr rundliche Prostituierte mit 27 Jahren so viel verdient, dass sie sich in den Ruhestand zurückziehen konnte.

Mehr zur “Mutzenbacher”-Führung findet ihr hier:

Homepage Wienführung
Das Buch zur Führung: “Auf den Spuren der Josefine Mutzenbacher”
Homepage von DDr. Anna Ehrlich: www.anna-ehrlich.com

Ganzjährig jeden Samstag, sowie von April bis Oktober auch Dienstags, um 14 Uhr
Treffpunkt: Michaelerplatz, keine Anmeldung notwendig
Kosten: EUR 15,-

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